Die Jahresrückblicke sind vorbei, alle Radiostationen und Fernsehsender haben sich wieder mal gegenseitig übertroffen mit Zusammenstellungen an Ereignissen, Neuigkeiten, Musikentdeckungen des Jahres 2008. Und ich? Bin mal wieder etwas später dran. Keine Zeit keine Zeit. Das Tagebuch enthält Monatelange Lücken, gebloggt hab ich seit April nicht mehr, keine Zeit, wie das weiße Kaninchen. Natürlich sehe ich ja den Zwang, zum Tag x Aktion y ausführen zu müssen, einfach weil nun eben im Kalender Tag x steht, erst mal gar nicht ein. Ich muss nicht mir nach Geschenken die Hacken wund laufen, nur weil Weihnachten ist, oder feiern, nur weil alle anderen es tun. Und doch verdient das Jahr 2008 ein Innehalten, ein Sich Besinnen, denn es war schon ein spezielles Jahr. Und so werde ich das nun doch einmal tun, aber halt ein bisschen später als bei anderen (Zum Glück kann man beim Bloggen das Datum bearbeiten, so dass dieser Eintrag noch mit Datumsstempel 08 rausgeht obwohl ja eigentlich heut schon 09 ist ;-), die inzwischen lieber Pläne für 2009 schmieden. Das tu ich natürlich auch. Aber da 2009 nahtlos aus 2008 hervorgeht, will ich mir dieses Jahr doch noch einmal anschauen.
Es begann - jeder der hier liest kennt die Geschichte natürlich schon - mit einem sonderbaren Silvester mit fremden Leuten, ohne ein richtiges Daheimgefühl, ohne ein richtiges Fremdgefühl, an einem komischen Punkt. Der Jahresrückblick auf 07 fiel mir schwer, so viele Ereignisse, so viele Veränderungen, der Bruch mit dem Sosein, der Weg hin zum Anderssein. Um Mitternacht hab ich das dann beendet und mich einfach dem Lebensgefühl (Sommer, Strandparty, Feuerwerk unterm Kreuz des Südens) hingegeben und so läutete ich kurz danach das Jahr 2008 mit Schwimmen unterm Sternenhimmel ein. Das gab’s noch nie, und so sollte 2008 werden. Mit jeder Menge First Times, mit atemberaubenden Abenteuern, mit neuen Gefühlen und Gedanken. Ein neues Jahr für eine neue Susie. Mit dem Auto durch Neuseeland, Schlafen in Auto und Zelt, jede Menge Menschen treffen, jede Menge Abenteuer und zugleich viel Ruhe und Entspannung, drei Sommer hintereinander, auch wenn ich vom 2007er Sommer nicht so viel mitbekommen habe. Wenn ein Jahr mit so viel neuem beginnt, mit Fallschirmspringen, Kajakfahren, Reisen und allen damit verbundenen Aktivitäten, muss es irgendwann das Tempo ein bisschen verlangsamen, sonst kann man das gar nicht verarbeiten. Und trotz des Traums, jetzt einfach dort zu bleiben, und das Bum-Slob-Chill-Leben fortzusetzen, und nicht in Lebensplanung, Kontrollierte Situationen, Arbeitsplatz, Rentenversicherung etc. zurückzukehren, war einem Teil von mir doch klar, dass sich auch bei einem "Aussteigerleben" eines Tages ein Alltag einstellen würde, eine Frage nach dem Und nun?, eine Weiterentwicklung. Und das konnte ich ja auch so haben. Und so kehrte ich zurück. Schweren Herzens. Leichten Herzens. Denn etwas neues, abenteuerliches atemberaubendes würde ja auch so kommen. Das schwerste am Anfang war wohl, dass ich jetzt wieder öfter Haare waschen müsste, öfter Kleidung wechseln, besser auftreten müsste. Zurück in die Welt von Business, Networking, Skills&Competences. Aber da war ja Sabrina, die uns eine wundervolle Wohnung gesucht hatte - und dabei fürchterliche Angst hatte, ich könnte sie nicht mögen können. Ach Sabi, ich hatte vollstes Vertrauen und ich hatte Recht. Die Wohnung ist wundervoll, unser Experiment des Zusammenlebens funktioniert nun schon seit 9 Monaten besser als ich es mir je hätte träumen lassen, wir haben es uns richtig schön gemacht (die Wohnung) und machen es uns richtig schön (das Leben) und das ist ein weiterer Sonnenstrahl, der das Jahr 2008 so leuchtend hell gemacht hat. Dann kam ich natürlich zurück, um die Doktorstelle anzutreten, und auch das, naja, ihr wisst es ja, neue Arbeitsstelle, neue Leute - und bekannte - aufregend spannend erfüllend. Der Organisationsteil meiner Arbeit macht mir sehr viel Spaß, auch wenn die Umgebung Uni vielleicht nicht so flexibel ist und alle Möglichkeiten der modernen Welt ausnutzt, aber man sieht, wie man was verändern kann und das ist sehr befriedigend. Dass Unterrichten was für mich ist, hab ich mir in den zwei Semestern mal wieder bewiesen, es macht mir wirklich viel Spaß, besonders auf Augenhöhe, d.h. wenn die Studierenden nicht so viel jünger sind, sondern eher Gleichgestellte sich gegenseitig von ihrem Wissensvorsprung profitieren lassen. "Meine Studis" sind mir auch richtig ans Herz gewachsen und ich lerne unheimlich viel über Gruppendynamik, Motivation und den Einfluss der individuellen Psyche auf die Art, wie ich etwas vermitteln kann und muss, und ich hoffe, von diesen Erkenntnissen einiges verwursten zu können. Damit kommen wir auch gleich auf den einen kleinen Knackpunkt von 2008, denn für die Diss hab ich mir zwar einige Gedanken gemacht und ein paar Seiten gelesen, aber wirklich angefangen hab ich nicht. Klar, erst mal musste ich mich in meinem neuen Leben einfinden, dann einarbeiten, dann gab’s immer wieder neue spannende Aufgaben an der Uni, man findet ja relativ schnell seinen Platz im Räderwerk, aber bisher fiel dabei noch nicht viel Zeit und Motivation an, um so richtig loszuwuseln und das Baby auf den Weg zu bringen. Mein großes 2009 Projekt: Zusätzlich zum Schaffen auf dem Niveau von 2008 noch ne supidupidiss zu schreiben :-) Na mal gucken. Die Rückkehr nach Leipzig hat ja den schönen Kollateralnutzen gehabt, dass ich viele alte Bekannte wiedergetroffen habe, Ex-KommilitonInnen, die jetzt z.T. als Freiberufler arbeiten, so dass ich relativ erfolgreich ein bisschen FB-Übersetzerei angetreten habe. Mit etwas Glück lassen sich Uni, Diss und Freiberuflertum schön ergänzend organisieren und führen mich dreigleisig zum Erfolg. 2008 hat mir aber in dem bereich auch mein erstes Negativerlebnis beschert denn zum ersten Mal in meinem Leben bekam ich eine ÜS-kritik zurück, die mich erst mal ein paar Tage ausgeknockt hat. Vom sachunkundigen Übersetzer war da die Rede und eine Fehlerliste von 4 Seiten. Zum Glück hab ich mich davon aber nicht einschüchtern lassen, denn wie üblich war das meiste der Liste Geschwätz und locker mit übersetzungswissenschaftlicher Argumentation begründbar. Mein Besprechungsangebot wurde ignoriert, es wollte nur mal wieder jemand rumfrotzeln, und seinen Arbeitsfrust auf andere abschieben, und ich habe wieder etwas gelernt, nämlich neue Kniffe für die Angebotsformulierung, den Umgang mit Kritik, und das Formulieren von Post an meckernde Auftraggeber. So war also der August zwar etwas deprimierend - die Meckermail kam zu einem für mich psychisch grad nicht so günstigen Zeitpunkt - aber letztlich hab ich die Kurve wieder gekriegt und mich auf meine Stärke und das Bombenjahr 08 zurückbesonnen. Ja, im Sommer war ich ein bisschen faul, nach der NZ-Reise war natürlich kein Geld da für Urlaub, und ich war irgendwie auch noch immer mit einleben und so beschäftigt, da ging irgendwie der Sommer recht ereignislos vorbei. Natürlich gab’s da auch immer mal wieder Momente, in denen ich mich fragen musste, was ich nun hier mache, und ob ich nicht woanders sein will, aber letztendlich hat mich 2008 auch zurück zu meinem Jerome gebracht, und mir gezeigt, dass so schön ein Aufbrechen auch ist, geographisches Neuland auch Distanz heißt. und so schwer so eine Neufindung und Neudefinition zwischen zwei Menschen immer ist, seit wir uns wieder sehen können, können wir auch wieder ganz nah sein. Ja, 2008 hat auch meine Beziehung verändert, eine neue Sehnsucht hervorgerufen nach Zweisamkeit und Gemeinsamkeit, und diese versuchen wir uns nun zu schaffen (trotz dass Jerome nach wie vor in Mainz wohnt). Dieses Abenteuer wird sich nun auch ins Jahr 2009 erstrecken und ich bin sehr gespannt, wie sich das weiterentwickelt. Immerhin kann man sich des Einflusses durch das Umfeld nur schwer erwehren, und so langsam aber sicher beginnt die Settelei, das Kinderkriegen und Paarleben im Freundeskreis – zum Glück beginnt es aber wirklich nur langsam, so dass man sich schon noch ein bisschen Zeit lassen kann mit gewissen Grundsatzentscheidungen. Zwar hat mein Patenkind in diesem Jahr ein Brüderchen bekommen und im weiteren Umfeld blinken ein paar Schwangerschaftstests mit guten Nachrichten, aber so ganz dicke isses nicht. Marlene (mein Patenkind) ist jedenfalls ganz entzückt von ihrem Brüderchen, seitdem mag sie aber mich nicht mehr so gerne – ich hab immer Nachtaufsicht bei ihr gemacht, wenn die Mama wegen Geburtsalarm in der Klinik war, und seitdem stehe ich für die schlechte Nachricht, dass die Mama nicht da ist. Diese Entwicklung war eine der wenigen Schattenseiten 2008, denn wir mochten uns anfangs ganz arg, und jetzt werd ich wohl abwarten, bis Kienitzens umgezogen sind. Danach normalisiert sich bestimmt das ganze Alltagsleben bei ihnen, und dann wird’s bestimmt auch mit Lene wieder entspannter.
Somit war also 2008 ein Jahr des ganz Neuen, der Wechsel, der Abenteuer, der Veränderungen, der Rückbesinnungen. Eigentlich das perfekte Jahr, um einen Lebensabschnitt zu beenden und einen neuen zu beginnen. Wie praktisch dass dies nun also auch das Jahr meines Dreißigsten war. Somit beendigte ich Dezember sämtliche Aktivitäten des WS08/09 erstmal (beiseite mit allen Lerneffekten, Erfahrungen und Arbeit) und bereitete die zugehörige Feier vor, die unheimlich viele Leute in unserer Wohnung zusammenführte, meiner Familie mal meinen Freundeskreis gezeigt hat und umgekehrt und die so richtig Spaß gemacht hat. So muss man die Dekaden feiern, und ich bin unglaublich dankbar, dass ich diese Möglichkeit hatte. Danach war dann nur noch eine Woche aufräumen und vorbereiten, und dann ging’s mit Jane an die Ostsee, eine Woche Weihnachtsurlaub in Wustrow-Ahrenshoop, fast direkt am Strand, mit kleinem Ofen für winterliche Holzscheitwärme, wundervoll...Wir waren viel Spazieren und haben es uns gut gehen lassen, hatten keinen Weihnachtszwang und doch Weihnachtsgefühle, und es war genau das Richtige mit dem richtigen Menschen am richtigen Ort. Nach dieser Woche blieben noch ein paar Tage Berlin und Potsdam, also teils bei Jane, teils Susi und Julien, mit einer kleinen aber sehr schönen Silvesterfeier und vielen schönen faulen Momenten und dann war das Jahr 2008 vorbei. Natürlich fehlen in dieser Zusammenfassung jede Menge kleiner aber feiner Ereignisse, zum Beispiel Eishockey mit Gummibärchen, Disko mit Devil, Tango mit Sina, Regalaufbau mit Markus, Balkontherapien mit Sabrina und diversen „Patienten“, Kuschelabende mit Jerome, Weiberabende (mit verschiedenen Weibern), Pokerrunden, Skatrunden, Schachabende, inlinern, Pois spielen, Sonnenstrahlen, Schneeflocken, Lachen, Weinen, Essen, Schlafen, verdammt es war ein GEILES JAHR und ich bin dankbar für alle Momente, die großen, die kleinen, die guten, die nicht so guten, und dankbar für alle Menschen, die nahen, die fernen, die lieben und die anderen und überhaupt! Danke 2008!
Wednesday, December 31, 2008
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1 comment:
habe diesen eintrag eben erst entdeckt... und ich bin auch erwähnt! juhu!! ;)
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