Friday, August 26, 2016

Hobo goes to the UK and Ireland* - Distel und Einhorn. Teil 2: Südwärts

*Für Fotos habt ihr ja den Link aufs Album. Falls nicht, bitte Mail.

Nachdem wir uns nun also den recht ländlichen Teil von Nordschottland (den Osten) angeschaut haben - in dem wir Kühe sahen, die vor Rieseneutern nicht laufen konnten, und Fleischschafe, die irgendwie aussahen wie Kampfhunde (was kann man aber sonst in Nordschottland machen und wie will man auch mithalten in einer der härtesten „liberalen“ Wirtschaften der Welt) – brechen wir nun also auf gen Westen. Zunächst fahren wir ins nahegelegene Thurso, das recht hübsch ist mit seinem gleichnamigem Fluss und Strand und Castle. Wir müssen Dachdichtung kaufen, denn durch unsere Klimaanlage regnet es rein. Die hätte es sowieso nicht gebraucht in unserem Hobo und jetzt macht sie auch noch Ärger! Und dann weiter, durch herrliche Landschaften zwischen Heather, Hills und Sea. Besonders malerisch ist es bei Bettyhill. Da küsst das Meer eine typische Highland-Hochmoor-Landschaft und es ist so still. Ganz heißer Tipp für Leute mit noch mehr Reisezeit als wir. Unser Zwischenziel ist der Kyle of Tongue. Leider finden wir keinen WoMo-tauglichen Strandzugang, man ist hier wohl auch nur auf durchfahrende und nicht so wirklich auf bleibende Touristen eingestellt und so gibt es nur einen einzigen Parkplatz quasi mitten im Kyle of Tongue, den eine Art Brücke oder Damm teilt. Das Wetter ist fantastisch und so gönnen wir uns hier einen „Strandtag“. Es ist Ebbe, abgesehen von einem kleinen Fluss ist alles hier Strand. Der Kleine ist mal wieder kaum aus dem Wasser zu halten und auch der Schwarze tobt sich richtig aus. Und wird von einem Krebs gezwackt. Später schauen wir zu, wie die Flut das ganze Becken ausfüllt, dichten das Dach ab und fahren dann zurück in die Wälder am River Borgie, um dort die Nacht zu verbringen. Trotz des Wetters verbringen wir den Abend drinnen, denn hier ereilen uns zum ersten Mal die berüchtigten Highland Midgets in solchen Schwärmen, dass alle nur noch um sich schlagen.

Auch am nächsten Tag hält das Wetter und wir wählen eine der unbefahrensten Highland-Routen (nicht die ausgeschilderte Tourist Route) gen Süden. Entlang des herrlichen Loch Loyal. Hier ist wirklich niemand und es ist so still und wundervoll. Erinnert mich an meine Loch Ossian Erfahrung meiner letzten Schottland Reise vor 15 Jahren, nur mit besserem Wetter. Vollkommene Wasserspiegel! Vollkommene Stille. Und dann über tausend kleine Bäche, vorbei an zig kleinen Seen, Picknick irgendwo in der Natur. Seufz. Die zweite Hälfte der Route ist eher boring, hier hat die Forstwirtschaft Waldleichen und Monokulturen hinterlassen, aber egal, es ist eben auf andere Weise spannend: in Lairg ist großer Schafsmarkt mit hunderten Pickups der Farmer und zig Tiertransportern, manche mit vier Etagen. Gruselig. Aber all das muss man mitdenken, wenn man Lammkotelett denkt. Oder Merino-Pullover. Ab Loch Shin ist dann wieder Zivilisation und ab den Shin Falls auch wieder Tourismus. Hier stehen ein Dutzend Leute mit fetter Fotoausrüstung und starren wie die Dödel in den Wasserfall. Es dauert einige Minuten, bis wir verstehen, warum: Lachse versuchen, diese riesige Schwelle zu überwinden. Wir sehen keinen, der es schafft. Aber da dies schon seit Jahrzehnten eine Atlantiklachsroute ist, muss es dem ein oder anderen ja gelingen. Fünf Meter flussabwärts steht seelenruhig ein Angler und profitiert auf seine Weise von einem Pool voller verzweifelter und erschöpfter Lachse. Wir kreuzen noch den Kyle of Sutherland und fahren den Strui Hill hoch zum Aussichtspunkt, in dessen Nähe wir die Nacht verbringen.

Nun geht es wieder durch Inverness, denn es muss mal wieder Wäsche gewaschen und eingekauft werden. Und dann, was auch auf der untouristischsten Schottlandreise nicht fehlen darf: Loch Ness. Und wer stellt sich denn bitte vor, ans Loch Ness zu fahren, die Strandmuschel aufzubauen und erst mal eine Runde schwimmen zu gehen? In unseren kühnsten Träumen nicht. Aber so war es. Glorioser Strandtag. Und -nacht.

Nessie-Pancakes zum Frühstück. Und dann den See entlang. Wir nehmen die etwas weniger touristische Südseite. Hier gibt es zwar kein Urquhart Castle, aber dafür Boleskine House, Aleister Crowleys Refugium Occulto. Und später Jimmy Pages. Es ist leider abgebrannt. Wer wird unser Mäzen und Sponsor, wenn wir die Ruine kaufen und ein Okkultismus- und Meditationszentrum hochziehen? Wilde Träume machen sich in uns breit. Ein kurzer Spaziergang zu den Foyer Falls (leider etwas überrannt, aber sehr schöne Landschaft) und dann weiter durch herrlichsten Wald und später wieder wundervolle Hügel- und Heidelandschaften. Nach Loch Ness, Loch Oich und Loch Lochy biegen wir mal kurz in die Nevis Range ab. Das ist dann das, was in UK als Hochgebirge gilt: eine Berglandschaft aus kahlen Tausendern. Das Visitor Center dort ist natürlich (es ist die letzte Ferienwoche) rammelvoll, es gibt eine Seilbahn und einen Hochseilgarten (35 Pfund Eintritt!!!), aber nichts davon ist für uns, also weiter Richtung Malaig, wo es sehr schön sein soll und von wo aus man auf die Isle of Skye kommt. Wir suchen unterwegs einen Schlafplatz – oh ja, es ist sehr schön, herrliche Hügel, Wälder, Löcher. Wir halten in Glenfinnan, wo es ein Besucherzentrum und ein Jakobitermahnmal gibt, sowie herrliche Berge und Wälder und Seen. Der Parkplatz ist rammelvoll, aber wir finden einen anderen, wo wir tatsächlich stehen bleiben könnten über Nacht. Aber warum sind hier nur so viele Leute? Egal, wir wollen erst mal spazieren gehen. Da spricht uns eine Gruppe an, ob hier der alternative Weg zum Viaduct ist. „Ähm, Viaduct?“ „Naja, Sie wissen schon, die Brücke durch die Berge mit der Dampflock aus den Filmen...“ ('Aaahhh. Ist hier also die Harry Potter Hogwarts Express Brücke. Das erklärt die Horden...') „Keine Ahnung, wir wollten eigentlich nur eine Runde spazieren.“ Tun wir dann auch, und prompt dreißig Meter weiter stehen wir unter besagtem Bauwerk und rundrum auf den Bergen die Hogwarts-Fans mit ihren Fotoausrüstungen. Nun, die Dampflok ist wohl für heute schon durch und wir haben einen herrlichen Spaziergang mit Wald und Wiese und Bächlein und einem Baumdenkmal, an dem wir ein Alter von knapp zweihundert Jahren zählen. Alle haben Spaß, bis die Midgets kommen.

In der Nacht hat es geregnet. Und unser Roofing Material ist offenbar nicht ausgehärtet. Nun haben wir nicht nur eine tropfende Klimaanlage, sondern eine schwarze Brühe tropfende Klimaanlage. Aber wir haben ja Lappen und Handtücher. Also was solls. Wir machen einen wundervollen Spaziergang durch den Wald. Rundrum rennen die Touris der blöden Dampflok hinterher, während auf diesem herrlichen Wanderweg außer uns kein Mensch unterwegs ist. Und dann haben die alle auch noch Pech: Der Zug kommt heut offenbar nicht, es gab wohl eine Panne. Wir fahren weiter Richtung Malaig und Lunchen am (nur weil der Name so schön ist) Loch Nan Uamh. Hier ist offenbar Gälisch-Gebiet und es soll wohl auch noch ein paar Sprecher geben. Getroffen haben wir bisher noch keinen und leider auch noch kein Einführungsbuch gefunden, wie ich es damals für Walisisch und Maori besorgt habe. Gälisch. Der Loser unter den Minderheitensprachen. Einen weiteren Stopp machen wir an Bonnie Prince Charlies Bucht der Schmach für eine Gedenkminute. Der Träumer. Aufgewachsen in Frankreich kommt er nach Schottland, um mit der Hilfe der Highland Clans Schottland von den Rotröcken zu befreien und den Thron für die Stuarts zurückzugewinnen. Wie das ausging, hatten wir ja schon mal (siehe Culloden). Innerhalb von zehn Monaten ist alles vorbei und er exiliert aus der gleichen Bucht zurück nach Frankreich. Nicht ohne eine Abschiedsschlacht, bei der die Hälfte der Reste der Kriegskasse in der Bucht verlustig ging. Dann kommen wir nach Arisaig, wo wir eigentlich einen Campingplatz suchen, aber alle Sites sind voll, daher halten wir an einem Parkplatz am Straßenrand direkt an der Bucht. Es ist atemberaubend schön hier. Auch diese Landschaft ist wegen eines Films ein wichtiger Touristenmagnet geworden, allerdings schon innerhalb der letzten zwanzig Jahre oder so. Hier sind wohl die Außenaufnahmen von Local Hero entstanden. Müssen wir also mal auf die Liste setzen... Wir lassen uns vom Regen nicht die Laune verderben und finden es trotzdem herrlich. Und unsre Racker sind eh am liebsten draußen, egal wie's Wetter aussieht. Nur das schwarze Wasser nervt...

Wir werden für gestern entschädigt und verbringen einen glanzvollen Sommersonnenstrandvormittag. Und treffen endlich unsere Entscheidung, was von den vielen herrlichen Orten Schottlands wir alles verpassen sollen und wofür noch Zeit ist. Die Inseln streichen wir samt und sonders von der Liste. Auch Distilleries, Oban und alles whiskybezogene muss auf unsere nächste Reise warten. Stattdessen haben wir heute noch die Möglichkeit auf Highland Games. In Glenfinnan ist nämlich gerade heute das traditionsreiche Highland Gathering, und bei solchem Wetter lassen wir uns das nicht entgehen. Wir hatten dem Kleinen ja eh schon einen Kilt gekauft – sorry Junior, es musste sein. Du kommst damit noch davon. - und so fahren wir also den Nachmittag noch zurück. Wir erleben das Ende der Games und der Kleine wird eine wichtige  Attraktion, so entzückend wie er ist. Wir treffen viele spannende Leute und haben einen rundum tollen Tag.

Es ist wieder grau geworden und so brechen wir nach entspannten Frühstücks- und Hunderunde auf aus Glennfinnan und in die berühmten Western Highlands. Glen Coe und Ben Nevis und so. Es ist tatsächlich wunderschön hier, wild und rauh. Aber eben auch viel Verkehr. Wir biegen von der Hauptstraße ab ans Loch Leven und finden einen kleinen Spot hoch über den Loch an unserem ganz eigenen Wasserfall. Ich erklimme mit dem Schwarzen zusammen einen kleinen Hügel direkt über dem Loch, für die echten Berge hier reicht meine Kondition (Ende 6. Monat) nicht mehr aus. Schön! Abends kommen hier die Midgets in dicken schwarzen Wolken raus und hüllen Hobo ein, man könnte einen Horrofilm draus drehen. Keiner wagt sich raus.

Wieder Regennacht. Die Midgets lassen sich von der Nässe nicht abschrecken. Krasse Viecher.Wir steigen durch die Nässe an „unserem“ Wasserfall entlang den Berg hoch bis wir die Wolken von unten streicheln können. Das reicht uns für heute. Der Kleine kriegt noch eine Runde Spielplatz-Action. Er sehnt sich so nach Kindern und fragt uns immer, wo Kinder sind. Es macht mir ein wenig ein schlechtes Gewissen und ich kann nur Hoffen, dass es bald mit dem Kita-Platz noch eine Runde Spielplatz-Action. Er sehnt sich so nach Kindern und fragt uns immer, wo Kinder sind. Es macht mir ein wenig ein schlechtes Gewissen und ich kann nur Hoffen, dass es bald mit dem Kita-Platz klappt. Aber das ist ein ganz anderes Drama. Akuter: Beim Losfahren ergießt sich ein Schwall Schwarzwasser in Hobo, der sich in der blöden Klimaanlage gesammelt hatte. Hier muss was geschehen, aber das Ding unterwegs ausbauen? Und dann wie weiter? Wir legen Tücher aus und vergessen den Dreck und genießen lieber die herrliche Landschaft auf dem Weg nach Süden. Auf dem Weg durch Glen Coe und Co. Durchkreuzen wir vier verschiedene Wetterlagen. In der Sonne sammeln sich immer die Touristenhorden und im Nebel und Regen haben die Berge ihre Ruhe... Wir verlassen das Hochgebirge (Richtig Wandern geht ja grad eh nicht und wir haben ja auch noch Irland vor, da muss einfach irgendwann Schluss sein) und fahren in den Loch Lomond/Trossachs National Park. Hier ist dann richtig Touri, aber klar, das liegt eine halbe Stunde nördlich von Glasgow. Ich kenne ja schon die Ostseite und so bleiben wir auf der Hauptroute den See hinunter. Wir finden Glen Luss, eine magische Waldregion, wo wir noch einen längeren Spaziergang unternehmen und dann zur Ruhe kommen.

Den nächsten Vormittag verbringen wir noch hier im Wald und dann heißt es vorbei an Glasgow und die Küste entlang nach Süden, in Richtung Fähre nach Nordirland. Hier wird es irgendwie trostlos. Kilmarnock hat auf den ersten Blick für den Durchfahrenden nicht wirklich was zu bieten und Ayr ist eine triste Küstenstadt mit größtenteils geschlossenen (seit einer Woche ist wohl wieder Schule) und heruntergekommenen Promenadeneinrichtungen. Morrisseys Stimme singt in meinem Ohr ...Seaside town, that they forgot to bomb down, come come nuclear bomb... Nur der kleine Spielplatz-Freak kommt auf seine Kosten. Hier gibt es sogar mal wieder Kinder. Zum Glück wird es auf dem zweiten Teil der Route südlich von Ayr sowohl landschaftlich als auch von den Küstendörfchen her wieder etwas besser, es gibt Tearooms und Whisky Centres und weiße Fassaden und wir finden kurz vor Ballantrae einen kleinen Parkplatz hinter Büschen direkt am Wasser. Hier ist ein Mahnmal für ein gesunkenes (versenktes?) russisches Kriegsschiff. Die Aufschrift in Russisch und Englisch, zeigt mal wieder, wie sonderlich militaristisch die Briten so drauf sind. Sie feiern die Russen, weil sie sich im Russisch-Japanischen Krieg nicht ergeben haben, sondern kaputtschießen ließen. Das Schiff wurde versenkt, dann wieder gehoben, dann sollte es in Britain wieder aufgebaut werden und dann kam die Oktoberrevolution und dann wollten es die Russen nicht mehr wiederhaben. Also wurde es – bestimmt versichert – irgendwo hier vor der Küste Schottlands versenkt. Keine Ahnung, woran hier gemahnt werden soll. Den Mut der Russen, irgendwie. Rätselhaft, diese Briten.
Für uns eher nachzuvollziehen: Auf den Felsen in der Bucht liegen Robben und chillen. Es ist schön hier. Unsere letzte Nacht in Schottland. Morgen geht es bei strahlendem Sonnenschein mit der Fähre von Cairnryan nach Larne. Und dann checken wir Irland ab.

Sunday, August 14, 2016

Hobo goes to the UK and Ireland* - Distel und Einhorn. Teil 1: Nordwärts

*Für Fotos habt ihr ja den Link aufs Album. Falls nicht, bitte Mail.

Nach Wochen in Nationalparks mit nur kurzen Ausflügen in Supermärkte schickt uns die Ankunft in Edinburgh ungemein. Es ist zwar eine beeindruckende, wunderschöne Stadt - Hügel, Fluss und Park und eine geradezu hogwartsige Architektur - aber die Menschenmassen... Wir kommen mit dem Zug vom Park&Ride und der spuckt uns quasi kurz vor der Highstreet aus. Puh. Überfordert. Wir versuchen erst mal, was zu essen zu kriegen, wollen aber nicht in Ketten und auch nicht für 30 Pfund einkehren, also dauert das ein wenig. Wir finden in einem Hinterhof das Thistle Cafe. Hier gibt es ganz terribles Fast Food, aber es ist ein Familienbetrieb und alle sind furchtbar nett, trotz des wahnsinnigen Menschenauflaufs und der stressigen Arbeitsumgebung.
Gestärkt wagen wir uns wieder ins Getümmel. Wir sind ja extra VOR dem Fringe Festival hergekommen - auch wenn gerade das uns große sehr interessieren würde, aber das geht nicht mit Kind und Hund - aber der Menschenauflauf ist bereits eine knappe Woche vorher kaum zu ertragen. Jedenfalls bewegen wir uns langsam mit dem Strom die Highstreet hinauf zum Schloss, machen ein paar obligatorische Fotos ("no dogs allowed", aber wir haben eh schon beschlossen, dass wir uns keine Besichtigungen jenseits von 8 Pfund leisten können, da man mit dem Kleinen eh nicht viel davon hat...) und verdrücken uns in eine Nebenstraße. Als nächstes steuern wir eine Tour an, wenigstens eine der Grusel-Walking-Tours mit Katakomben und so muss doch drin sein. Aber: "no babies allowed". Auch nicht in der Trage. Ok. Dann lassen wir das. Wir bummeln noch ein bisschen auf eigene Faust durch die Altstadt und kommen erschöpft im Prince Albert Park zur "Ruhe" (Erholung als Massenveranstaltung ist schon ein interessantes Phänomen). Wir beschließen, es für heute gut sein zu lassen und fahren zurück zu Hobo. Alle sinken erschöpft ins Bett. Im Schlaf fängt Julius an zu singen, danach knurrt er.

Den nächsten Tag suchen wir erst einmal einem Waschsalon in der Nähe des P&R und werden in Musselburgh fündig. Hier ist es trotz hübscher kleiner Altstadt, Strand und dem River Esk recht gemütlich und wir beschließen, dass wir lieber hier bleiben als uns noch einmal dem Edinburgh-Wahnsinn hinzugeben. Da wir dann erst mal das Portemonnaie verlieren, bleibt uns auch keine Alternative. Das klingt jetzt zwar schlimm, hat uns aber jede Menge Locals kennenlernen lassen, da wir alle möglichen Läden abgeklappert haben und auf der Polizei waren, wegen Perso und den üblichen bürokratischen Schritten zwecks Botschaft und so. Die Polizeistation Musselburgh hat wegen Kürzungen keinen Empfang und öffnen die Tür nicht und man muss aber ein Telefon die schottische Polizei rufen, die einen dann durchstellen, bis einem jemand öffnet...
Niedergeschlagen holen wir dann nun aber endlich mal unsere Wäsche wieder ab. Und finden das Portemonnaie im Waschsalon. Ähem. Hihi. Ich geb mich lieber der Freude hin als dem Ärger über viel Lärm um Sinnlosigkeit und spendiere uns ne Runde Eis. Der Rest ist Entspannung.

Nun kann man nicht nach Edinburgh fahren und dann nicht nach Edinburgh fahren, also wagen wir es am nächsten Tag doch noch einmal. Wir besteigen den Berg Arthur's Seat, und schauen uns das ganze lieber von oben an, bummeln um das Schloss Holyrood (Mary Queen of Scots und so, ihr wisst schon, aber natürlich nicht nur die, ach, schlagt's selber nach) und gehen dann ins interaktive "Museum" Dynamic Earth, dass den schottischen Einfluss auf Geologie und Geographie und Naturgeschichte ins neue Jahrtausend befördert. Wirklich eine schöne, interaktive Ausstellung und für Familien mit dem Edutainment-verwöhnten Kind von heute perfekt geeignet. Auch der Kleine kommt auf seine Kosten, und als er müde wird, kann er in der Trage schlafen. Etwas mehr als zwei Stunden waren wir drin, den Wuffel hatten wir derweil im Park hinten an einem Baum angebunden, mit seinem Ball und einer Schüssel Wasser. Und wie wir rauskommen, steht da die Polizei und dachten, er wäre ausgesetzt worden ("man kann doch den Hund nicht so lange alleine hier lassen". Ähm, den ganzen Tag alleine in Hobo wäre wohl besser? Wir hatten eine halbe Stunde zuvor vom Balkon des Museums nach ihm geschaut, da war noch alles gut. Aber wahrscheinlich wollten wieder die hiesigen Hundefreunde rumstreicheln (alles doglovers hier, keiner hat Angst, jeder zweite streichelt den Hund ungefragt, ständig kommen alle angerannt, "Ooooooohhhhh, I love Labradors..."). Und unser alter Wachhund fand das bestimmt entsprechend aggressionsbedürftig und dann ruft man halt lieber mal die Polizei, wenn da ein Hund rumsitzt und knurrt... Naja, alles hat sich in wohlgefallen aufgelöst und so sind wir jetzt also jedenfalls schon mal bei der schottischen Polizei aktenkundig.

Uns reicht es mit Stadtleben, und so fahren wir über den Firth of Forth (wo wir beim Brückenbau zuschauen können, siehe Fotos) und entlang der Küstenroute über die Halbinsel Fife (Kingdom of Fife) und wollen uns ein schönes Eckchen suchen. In St. Andrews kehren wir so schnell wie möglich wieder um, denn diese Stadt ist zwar sehr schön, aber auch schon wieder rammelvoll mit Touristen (es ist Markt und Festival, aber das wissen wir noch nicht) und so kehren wir um und lieber ein im Lansones Inn, wo es edel ist und lecker und verbringen dort einen ruhigen Nachmittag. Danach suchen wir uns mal einen Zeltplatz, denn Duschen wäre auch mal nicht schlecht. Forth House ist ein kleiner ruhiger mit herrlichem Blick auf den Forth.
Hier verbringen wir zwei ruhige Tage und Nächte mit Nichtstun und beenden dann unsere Rundfahrt über Fife mit Abstechern ins hübsche Ceres (echt jetzt) und Cupar. Jetzt geht es nach Perth, das uns gut gefällt, weil es nicht so ein Touri-Nest ist, sondern eine normale Stadt. Leider finden wir wieder keinen Buchladen (die scheint es in UK wirklich nur als Ketten oder aber totale Ausnahmen zu geben), dafür einen "Famer's Market", der tatsächlich Landmaschinen und Vieh verkauft. Alte Begriffe, neu entdeckt.
Im wunderschönen Perthshire steuern wir unser erstes Loch an und nächtigen am wunderschön zugewachsenen Loch of the Lowes Wildlife Center, wo wir an der Beobachtung einer Fischadlerfamilie teilnehmen können, und natürlich jeder Menge anderer Vögel. (Neues Wort für den Kleinen: Bababa (wegen piepiepiep, ist doch klar.)) Die Schönwetterphase scheint nun übrigens endgültig vorbei.

Nach einem ausgedehnten Waldspaziergang, einem "Fried Breakfast" als Lunch und einem letzten Blick auf den Horst der Fischadler verlassen wir Perthshire und begeben uns in die Highlands. Genauer gesagt, die östliche Seite der Cairngorms (A93, für die, die es auf der Karte nachverfolgen). Bei Steigungen von 15% und mehr hat unser Hobo mit seinen nicht ganz 75 PS dann schon ganz schön zu kämpfen. Er rust und stinkt und säuft das Öl in großen Schlucken. Wir halten am Rande des Glenshee Ski-Gebiets, um ihm Ruhe zu gönnen. Es hat angefangen zu stürmen und zu regnen und hier an der Bergflanke schaukeln wir wie auf hoher See. Also verstecken wir uns im Windschatten des Ski Centers und können hier halbwegs ruhig schlafen, auch wenn die nächtlichen Windböen sich echt gruselig anfühlen. (Laut Radio waren es mit mehr als 75kmh die schlimmsten Sommerstürme seit sonstwann.) Die Racker hatten aber ihren Spaß beim Rennen gegen den Sturm. Und mit Regenklamotten schreckt uns der schottische Highland-Sommer einfach mal nicht.

Wir befinden uns hier auf ca. 600 m Höhe und besteigen am nächsten Vormittag einen der Pistenberge (Cairnwell) auf 933 m Höhe. Es klart sogar auf und wir haben einen schönen Blick. Nach dem Mittag fahren wir weiter durch die Highlands bis nach Balmoral, wo es wunderschöne Wälder entlang des River Dee gibt. Das hat sich auch die Queen Victoria gedacht und sich hier ihr Balmoral Castle hingebaut, wo denn auch prompt heute die Queen abhängt. Die macht uns aber auch alles nach.
Wir suchen uns einen kleinen Parkplatz, spazieren durch den magischen Wald zur alten Brig O'Dee und genießen Sonnenstrahlen, Wasserrauschen und Baumgeflüster.

Hier verbringen wir auch den nächsten Vormittag, bevor wir weiter durch die Highlands fahren. Eine abgefahrene Landschaft aus Heide und Wasser. Als wären die Hügel und Berge flauschig. Wir lunchen in der Nähe des Speyside Walks, aber da die Landschaft hier eher unspektakulär ist, bleiben wir nicht, brechen wir wieder auf in Richtung Inverness. Auf dem Schlachtfeld von Culloden (Ganz wichtig! Bonnie Prince Charlie und so. Die große Niederlage der Jakobiter. Wer sich nicht erinnert, früge die Wikipedia.) halten wir für die Nacht an. Hier ist ein großes Gedenkzentrum, und da es sich um Militärgeschichte handelt, ist der Parkplatz brechend voll. Das Museum scheint sehr gut zu sein, und auch der Shop wird ordentlich genutzt. Auch von uns, wir kaufen uns ein Buch zur schottischen Geschichte. Man lässt uns hier friedlich übernachten, das ist nett.

Während sich der Parkplatz wieder füllt, brechen wir nach Inverness auf, wo wir mal wieder einen Stadttag einlegen. Gefällt uns wieder gut die Stadt, echtes Leben und Tourismus gehen Hand in Hand, wir waschen Wäsche und Lunchen im Ash, dem ehemaligen Bahnhofshotel, ein edler Volltreffer. Beim weiteren Stadtbummel finden wir in der Chapel Street einen ganz wundervollen alten Buchladen, der absolute Geheimtipp. Am liebsten würden wir uns irgendwo eingraben und für den Rest des Tages lesen. Aber... Reisen mit Kind... Ich kaufe mir Scotts Journal, bisschen Kultur muss schließlich sein, und wir ziehen weiter. Ein Schlafplatz jenseits von Inverness muss noch gesucht werden. Wir fahren über den Moray Firth auf die Black Isle und folgen dort einem Brown Sign zum Black Isle Country and Wildlife Park. Da ist schon zu, es ist wohl schon später als wir dachten. Da keiner da ist, bleiben wir über Nacht auf dem Parkplatz. Der kleine genießt es hier, denn überall rennen Pfauen rum und Hühner und man kann Ziegen streicheln. Und natürlich gibt es auch einen Traktor!

Grad als wir aufstehen wollen, klopft ein älterer Herr an die Tür, der sich tierisch aufregt, dass wir hier ungefragt die Nacht verbracht haben. Wir versuchen ihn zu beruhigen, weil wir ja hier sind, ihm Business zu bringen, und nicht wussten, dass das alles hier Privatgelände ist (UK und Landbesitz, Alda!). Er will Geld für die Übernachtung und die Polizei rufen. Es gelingt mir, ihn milder zu stimmen und wir vereinbaren, dass wir die Übernachtung mit dem Eintritt bezahlen, wenn dann irgendwann der Park öffnet. Unsre Stimmung ist erst mal im Keller, außer bei den Rackern, die stehen aufs Viehzeug, dass hier unterwegs ist. Nach dem Frühstück gehen wir also in den Tierpark und es stellt sich heraus, dass die hier gar keinen Eintritt verlangen dürfen (no entertainment license) und der arme Eric auf Grund einer Alzheimer-Erkrankung so furchtbar reizbar ist. Wir müssen also keine Übernachtung bezahlen, spenden aber reichlich, denn irgendwie ist es hier wundervoll und trostlos zugleich. Es regnet, das trägt zur Stimmung bei. Aber der kleine hat so einen Spaß beim Entdecken von Ziegen, Alpacas, Eseln, Häschen, Eulen und Enten, dass uns auch der bei uns übliche Tierpark Blues nicht wirklich mitnimmt. Die Entscheidung, in den Zoo zu gehen, ist für uns immer etwas leidvoll. Und dann dieser Überlebenskampf hier für Mensch und Tier, noch dazu mit Erics Leidensgeschichte - wir treffen ihn noch mal beim Kleingetier mit den Jungvögeln und den Brutkästen. Er hat uns schon vergessen und ist total nett. Er erklärt seine Zuchten und erzählt von der Geschichte des Parks. Sowas muss man einfach unterstützen.
Kurz nach Mittag brechen wir dann aber endgültig gen Norden auf, entlang der Ostküste. Wir erkunden Dunrobin Castle. Sehr hübsch, aber wie immer sparen wir es uns, zu zahlen, um den Lebensstil einer durch Geburt privilegierten Klasse anzustarren und bummeln stattdessen durch den wundervollen, halb urigen, halb begärtnert und verwilderten Wald ums Schloss herum und hinab zum Strand. Es ist wundervoll hier. Hach, durch Geburt privilegiert sein und hier wohnen zu dürfen ...

Die Nacht verbringen wir auf dem Parkplatz am Badbea Village, einem Mahnmal für die Geschichte der Highland Clearances. Da waren nach der ganzen Culloden-Geschichte die Clans entmachtet und ein Landlord-Pacht-Wirtschaftssystem in den Highlands eingeführt worden, in dem es sich mehr rentierte, ganze Dörfer zu vertreiben und umzusiedeln, um in den Glens Schafe weiden zu lassen. Ein solches Dorf zog mehr oder weniger geschlossen nach Badbea an die Küste. Die Erde brachte keine Früchte, der Wind wehte Vieh und Kinder von Klippen, die ehemaligen Bauern versuchten sich als Fischer, kurz und gut, alles Mist. Innerhalb einer Generation gab es auch dieses Dorf nicht mehr. Jetzt kann man auf Schautafeln die Geschichte nachlesen, an einem Mahnmal gedenken oder in den Ruinen des Dorfes über die Düsternis des menschlichen Schicksals sinnieren.
Oder denken: Man isses schön hier.
Danach gehts weiter ins herrliche Caithness hinein. Hier gibt es an verschiedenen Stellen Standing Stones, Steinkreise u.ä. aus der Jungsteinzeit. Den ersten suchen wir bei Latheronwheel, finden ihn aber nicht. Den zweiten, eher ein Hufeisen, finden wir, wo er sein soll, diesmal auch mit Wegweiser, am Stemster Hill. Am Loch Stemster machen wir Mittagspause. Kein Mensch, kein Auto, keine anderen Camper... Off the beaten track... Nun aber weiter nach Dunnet Bay, wo es zwar herrlich ist, aber der Campingplatz 32 Pfund die Nacht kosten soll. Wir kehren stattdessen nach Murkle zurück, wo ein kleiner, ganz feiner, familienbetriebener "Caravan Park" uns für das Wochenende ein gemütliches Zuhause bietet. Unser Gastgeber Paul ist Schäfer und Farmer und betreibt den Platz nebenher. Er ist super nett und hilfsbereit und liebt es, wenn persönlicher Kontakt mit den Gästen besteht. Am liebsten spielt er mit unseren Rackern, die ihn mehr als einmal von der Arbeit abhalten. Ganz großer Geheimtipp, Murkle Caravan Park.

Unser Tagesausflug heute bringt uns einerseits an den nördlichsten Punkt der britischen Hauptinsel, Dunnet Head, von wo aus man auf die Orkney Islands spucken kann - genau hier knacken wir übrigens die 3000 km!!!) und andererseits an den nordwestlichsten Punkt, John O'Groats, das als Gegenstück zu Land's End im Südwesten Cornwalls die längstmögliche Ausdehnung begrenzt. Das ist natürlich übertouristisiert, aber wir machen die obligaten Fotos (man vergleiche mein Signpost-Foto mit dem von Buff in Neuseeland - Longest Distance in the Commonwealth - been at both ends), essen Fish & Chips, quatschen mit den Locals und hauen dann wieder ab. Da es kühl und windig ist, gönnen wir uns mal wieder einen Cream Tea (Tee mit Scones und Clotted Cream) im Tea Room des Castle Mey, auch ein sehr schöner Ort, den auch die Queen sehr mag. Hihi. Auf dem Heimweg halten wir in der Dunnet Bay, wo ich mit dem Wuffel einen ausgedehnten Strandspaziergang unternehme, während die Jungs schlafen. Wundervoll. Und voller Tod. Irgendwie scheint in UK niemand die Tierleichen zu entsorgen. Wir haben abertausende totgefahrener Hasen und Karnickel in den verschiedensten Zuständen der Verwesung gesehen auf unserer Reise, dazu natürlich alle anderen typischen Roadkill-Opfer, und allein auf diesem Strandspaziergang lagen vier tote Vögel. Ja, es war Sturm, aber Pest Control umfasst das entfernen toten Getiers hier offensichtlich nicht. Naja, ich hab schön morbide Fotos, der Schnüffler hatte was zum Schnüffeln und der Meerästhetik hat es nicht geschadet.

Eigentlich wollten wir dann nach einem kleinen abschließenden Strandspaziergang wieder gen Spden aufbrechen, aber dann war Murkle Beach so schön und menschenleer, und voller Vögel und herrlichem Schwippschwapp, dass wir einfach immer weiter gegangen sind. Bei Ebbe kann man aus der Bucht heraus und bis nach Western Murkle laufen, und das haben wir dann auch getan. Als wir danach bei Hobo ankamen, waren wir alle zu faul zum fahren und zu sehr von der Sonne angetan, also haben wir unseren Aufenthalt im "hohen Norden" (immerhin 58. Breitengrad und damit nur knapp unter Oslo  (48.)) noch um einen chilligen Tag und einen wunderbaren Abend bei/mit Paul verlängert.

Friday, August 5, 2016

Hobo goes to the UK and Ireland* - Drittes Bein***

*Für Fotos habt ihr ja den Link aufs Album. Falls nicht, bitte Mail.
***=third leg of the journey

Wir haben zwar inzwischen schon mehr als 1500km aufm Tacho, aber jetzt beginnt die eigentliche Tour. Hobo ist betankt, frisch beölt (leider ein kleines Leck), gewässert und sauber, und so brechen wir auf in Richtung Yorkshire Dales National Park. Unser erstes Ziel ist Bolton Abbey, eine malerische alte Klosteranlage in herrlichster Landschaft. Allerdings ist das alles Land in Privatbesitz - wie ja eigentlich alles Land hier - und gehört einem Trust, der es vollständig austouristisiert. Parkplatzbenutzung = Zugang zum Land = 8 Pfund. Das ist für einen Tagesausflug sicher ok, aber wir wollen nur Mittagessen und ein wenig spazieren, daher fahren wir doch nur dran vorbei. An einem der Parkplätze ein Dorf weiter ist ein Tearoom, und die lassen uns kostenlos parken, wenn wir bei ihnen einkehren. Geld ausgeben für Tee und Scones lassen wir uns eher gefallen als für Parken, und so verbringen wir ein paar sehr schöne Stunden.
Unser Ziel für den Tag ist Aysgarth im Wednesleydale, wo Anita mit den Kindern früher mal gewohnt hat. Hier spazieren wir noch eine Runde über die Felder und gehen dann zur Ruh. Eine Stille, selbst an der Hauptstraße. Nur Schafe zu hören.

Am nächsten Tag besichtigen wir die Aysgarth Falls und spazieren schön durch die Wälder. Dann fahren wir weiter durch die Dales, durch das schöne Städtchen Hawes und weiter in den Lake District National Park. Da Windermere schon wieder so überlaufen wirkt und Julius schön schläft, fahren wir gleich weiter und halten erst auf dem Kirkstone Pass. Hier lassen wir die Racker über Stock und Stein springen und genießen die Aussicht. Zum abendlichen Dessert kehren wir noch im Kirkstone Inn ein und kosten das Kirkstone Black. Und Pudding. Das Leben ist schön. Morgen besteigen wir den Berg.

Oder doch nicht. Regen und Nebel. Also verlassen wir den National Park und gehen in Penrith in den Supermarkt Vorräte auffüllen. Zum Glück ist das Wetter immer sehr instabil, es wird also wieder besser und wir fahren zurück in den National Park an den See Ullswater, wo wir eine kleine Wanderung über das Barton Fell zu einem Steinkreis unternehmen. Danach fallen wir ins Bett.

Als nächstes machen wir uns auf zur Hadrian's Wall - dem englischen Limes-Pendant, für diejenigen, die es nachschlagen müssen. Auf der Strecke knacken wir die 2000km. Wir machen Halt in Brampton, um uns Informationen zu holen. Die nette Lady in der Information deckt uns ein und empfiehlt uns, zum Walltown National Park Center zu fahren und ihrer Tochter schöne Grüße auszurichten. Wir begeben uns also erst mal auf die Spuren der alten Römer und Julius erprobt seine Kletterkünste am Birdoswald Fort. Dann folgen wir dem Rat. In Walltown ist zufällig grad National Park Day mit Spiel und Spaß für Groß und Klein, und so lassen wir besonders Klein seinen Spaß (große Bälle, kleine Bälle, und Bubbles (Seifenblasen)). Der National Park ist eine der dunkelsten Regionen Englands und so gönnt uns die nächtliche Pinkelpause unseren ersten Blick auf die Sterne. (Nicht dass sie uns fehlen, meistens ist um zehn bei uns Schicht im Schacht.)

Am nächsten Tag schnallen wir endlich mal die Räder von Hobos Buckel (ein ganz schöner Act) und machen eine Radtour entlang des River Tyne zum Lambley Viaduct. Angesichts meiner Fitness und der Hügeligkeit besonders des letzten Abschnitts brauchen wir dafür fast sechs Stunden. Aber es war ein sehr toller Tag.

Der letzte Tag des Juli soll uns wieder einige Meilen gen Norden bringen und so erkunden wir den Rest des Northumberland National Park mit Hobo. Eine nette hügelige Landschaft mit kleinen Marktflecken und sonst nicht viel. Zum ersten Mal seit unserer ersten Nacht haben wir etwas Schwierigkeiten bei der Nachtlagersuche. Steigungen von 20%+ und nicht angekündigte 2m schmale Straßen lassen uns Wege abbrechen und neue Ziele anvisieren. Das führt uns ins Till-Tal zum Maelmin Heritage Trail, wo uns Schautafeln von 10000 Jahren Besiedlungsgeschichte erzählen und ein schöner Weg durch Wald und Feld um die ehemalige (jetzt unter Feldern verschwundene) Hauptstadt des mittelalterlichen Köngigreiches Northumbria führt. Ein schöner Schlafplatz und ein würdiges Ende unseres England-Aufenthalts. Der August bringt Schottland.

Hobo goes to the UK and Ireland* - Zweites Bein**

*Für Fotos habt ihr ja den Link aufs Album. Falls nicht, bitte Mail.
** =second leg of the journey

Wir verbringen nun also erst mal ein paar Tage in Wakefield, feiern erst James', dann Anitas Geburtstag mit fetten Partys und gemütlichen Dinners und machen Ausflüge in die Umgebung: in Miller Dam Woods baut uns James unseren privaten Kletterpark auf, wir spielen mit den Kids (die so gewachsen sind und total auf Julius abfahren) im Hof und in verschiedenen Parks, picknicken im Sandal Castle, besuchen Adele und die Kinder in Barnsley, wo es tolle Wasserspiele im Garten gibt, und chillen fröhlich vor uns hin. Camping in der Einfahrt ist eine interessante Erfahrung.

Gegen Ende der Woche brechen wir dann Richtung Ostküste auf. Ein kleiner Umweg führt uns nach York, wo wir schön von der Kathedrale durch die Gässchen und The Shambles nach dem Castle-Turm (der aussieht wie die versteinerte Shorts eines Riesen) bummeln, unterwegs im Pub mittagessen und es sonst ruhig angehen lassen. Danach fahren wir weiter nach Hull, und obwohl wir müde und erschöpft sind, schlagen wir uns bis an den südlichsten Zipfel (Spurn Point) durch. Nach dem Abendbrot machen wir einen Spaziergang am Meer und Julius ist voll aus dem Häuschen, als er erkennt, wo wir sind. Wir können ihn nur mit Mühe davon abhalten, sich die Küste hinabzustürzen, um ins Wasser zu kommen. Hier verbringen wir zwei ruhige Tage und beobachten Vogel-Beobachter, spazieren viel und genießen Ruhe und Natur.

Am Sonntag sind wir mit der Familie in Cleethorps verabredet, also fahren wir dahin. Es handelt sich um einen typischen Strand- und Badeort und es ist ein Sonntag im Juli, noch dazu bei gutem Wetter. Also der blanke Horror. Urlaub im eigenen Land ist hier ja sehr beliebt und man fährt auch einfach mal für zwei Tage zum Camping ans Meer (was ja nie weiter weg ist als 100km!) und so ist hier alles voll mit Leuten. Wir campen auf einem kleinen Zeltplatz neben einem Riesenfreizeitpark, das ergibt eine interessante Mischung und genießen ansonsten den Strand. Es ist Ebbe und der Sand ist total ölig, aber die Racker haben ihren Spaß. So eine Kinderhorde ist schon cool, die beziehen den Kleinen auch so wunderbar mit ein, es ist eine Freude.

Den nächsten Tag verbringen wir alle in einem Spaßbad vor Ort, was angesichts des Wetters toll, angesichts der Menschenmassen ziemlich anstrengend ist. Unser Wassermäuschen wird wohl in wenigen Monaten dann schwimmen können. Er kommt bereits vorwärts... Abends gehts zum Abschied zurück nach Wakefield, das war ein schöner Familienausflug.

Hobo goes to the UK and Ireland* - Erstes Bein**

*Für Fotos habt ihr ja den Link aufs Album
** first leg of the journey

Nach einem kleinen Abschiedswochenende in den Heimaten brechen wir am 11.7. um 11 Uhr mit unserem neuen alten Hobo auf. An Bord zwei Erwachsene, zwei Racker, ein Babybauch und ein grober Plan für knapp drei Monate Britische Inseln. Familie Schneck macht sich auf. Zunächst genießen wir erst mal noch deutsche Autobahnen, was tatsächlich ein Genuss ist, wenn man eh nicht schneller als 90 fährt (bei allem darüber schwankt der gute Hobo so im Wind, dass es echt zu anstrengend wäre) und an dem ganzen Irrsinn gar nicht erst teilnehmen muss. Echt, das Recht auf Rasen der Deutschen ist voll bekloppt. Mit 110 kommt man genauso voran und die Agression nimmt deutlich ab. Wir schlage  uns also gemütlich durch.
Unsere erste Übernachtung verlagern wir ins Hammerbachtal kurz vor Paderborn, da ist es schön grün und ruhig und gibt viel zu entdecken.

Unser zweiter Fahrtag bringt uns dann schon nach Rotterdam, bzw. in den Hafen von Hoek van Holland, das trotz Englandfähre ein gemütliches kleines Städtchen geblieben ist, und den Horror vor einer Fahrt durch Rotterdam von mir nimmt. Die Racker haben zwei Fahrtage gut überstanden und kriegen noch Spazier- und Tobezeit und wir gönnen uns Matjes und eine weitere Übernachtung im Grünen.

Nach einem entspannten Vormittag stellen wir uns in die Fährschlange und schauen 2h lang den Leuten zu, wie sie bescheuert sind. Anstellen und in einer Reihe aufs Schiff fahren, ist aber auch echt ein bisschen viel verlangt. Und dann auch noch Reißverschlussverfahren... Als wir dran sind, sind aber plötzlich wir die Deppen, denn unsere private Hundentwurmung genügt den britischen Behörden nicht, die wollen eine 24h-Vor-Abfahrt-Entwurmung durch einen Tierarzt in Rockys Papieren sehen, die wir natürlich nicht haben. Also wieder raus aus dem Pulk und Tierarzt aufsuchen und Ticket umbuchen auf morgen. Nach dem ersten Öhm-Moment nehmen wirs gelassen und fahren nach S'Gravensande nebenan und lernen die nette Tierklinik kennen, die diese Art von Spontanentwurmung wohl regelmäßig vornehmen. Rocky freut sich über all die Aufmerksamkeit und Leckerlis (wenn der wüsste, dass das Medizin ist... würde er es genauso verschlingen, haha.) Danach bummeln wir ein wenig durchs Städtchen und essen gemütlich und fahren dann zum Strand. Julius lernt hier zum ersten Mal bewusst das Meer kennen und ist hin und weg und gar nicht mehr aus dem Wasser zu kriegen. Die Nacht ist ruhig und beglückend und erfüllt vom Schwipp Schwapp der holländischen Nordsee.

Am nächsten Tag wiederholen wir den Ansteh-Spaß zur Fähre und die gleiche Frau prüft unsre Pässe, schaut mich an und sagt: Ich würde Sie ja heute wirklich gern an Bord lassen, aber der Pass ihres Mannes ist abgelaufen. Gibt es vielleicht noch ein anderes Dokument? --- Öhm --- Zum Glück ist der Brexit noch nicht vollzogen und hat Jörg seinen Perso dabei, hurra! Das war ein Puh-Moment. Die Fähre ist edel, Holz und Messing überall, und wir verbringen unsere sechs Stunden an Bord mit viel Rumbummeln. Rocky schläft brav in Hobo, und Julius bricht Herzen und tobt sich in der Kinderecke aus.

Und dann  gehts los mit The UK. Erst mal LINKS runter von der Fähre. Und immer schön LINKSRUM in den Kreisverkehr. Und nicht vergessen, eigentlich ist JEDE Kreuzung ein Kreisverkehr... Echt. Aber ich mach das ja nicht zum ersten Mal und habe ehrlich gesagt keine Probleme damit. Wir verlassen Harwich so schnell wie möglich und wollen uns einen Schlafplatz suchen. Nur wo. Wix klingt doch wie ein netter Ort, da gibt es bestimmt mal irgendwo einen Feldweg. Leider nein, aber der Parkplatz des Fat Goose Pub in Tenningen, der geschlossen ist, bietet uns ein gemütliches Nachtlager.

Abgesehen von einer entspannten Mittagspause auf dem riesigen Parkplatz des massiv besuchten Imperial War Museum in Duxford (Man muss an dieser Stelle einfach mal kritisieren, dass die Briten, bzw. die Engländer, weder mit dem Thema Imperialismus noch mit dem Thema Krieg eine kritische Auseinandersetzung führen, sondern alles auf "wow" und "wir sind so geil" hinausläuft. Aber die Flugshows in Duxford sind "weltberühmt".) brettern wir durch nach Wakefield in Nordengland (West-Yorkshire), wo wir meine Wahl-Familie besuchen.