Friday, March 24, 2017

ideodrom Buntstifttarot - Überblick


Das Tarot teilt sich klassisch in die große Arkana, 22 Karten mit besonderen Symbolen, die den Kreis allen Seins vom Chaos hin zur Perfektion suggerieren und zyklische Entwicklungen aus Astrologie, Kabbala oder griechischen, römischen und ägyptischen Götterwelten kombinieren, und die kleine Arkana, 56 Karten analog der klassischen mitteleuropäischen Kartenspiele aus vier Farben mit Sets von 2 bis 10 und Hofkarten. Der Einfachheit halber genügt für die Einführung in das Buntstifttarot die große Arkana.

Das Sein, die Welt, beginnt zunächst als Chaos – die Dichte im Innern des Urknalls, die Dunkelheit vor allen göttlichen Schöpfungsakten. Dieses Chaos verkörpert der Narr.

Aus diesem Chaos schafft der Magier nun Form, es kommt zu einem Schöpfungsakt, der Kreis des Lebens hat begonnen.

Sobald nun aber die Welt durch den Magier eingeteilt und geordnet ist, gibt es Bereiche, die wir nicht sehen, erfassen können, das Unverstehbare, das Unbewusste. Dafür steht in früheren Tarots die Hohepriesterin. Um von direkt religiösen Deutungen wegzuführen, steht im Buntstifttarot an ihrer Stelle die Weisheit.

In der Ordnung der Welt erkennen althergebrachte Denkweisen auch eine Einteilung in männliche und weibliche Rollen; dies wird in den nächsten beiden Karten (Kaiserin und Kaiser) verbildlicht. Hierbei muss man sich immer vor Augen halten, dass diese traditionellen Geschlechterperspektiven im neuen Zeitalter nicht mehr die gleiche Bedeutung haben. Das Buntstifttarot erhält die Zweiteilung aufrecht, löst sie aber von biologischen Zuschreibungen: Auch Männer sind Mütter, auch Frauen streben nach Ordnung und Herrschaft.

Dem traditionell „weiblichen“ Prinzip der Kaiserin als Urmutter wird im Kaiser das „männliche“ Prinzip des Strebens nach Ordnung und Herrschaft thematisiert.

Dem weltlichen Macht- und Ordnungsstreben folgt entsprechend der Entwicklungslogik des Tarots das Streben nach der Beherrschung des Unverstehbaren, derjenigen Bereiche, die nicht mit weltlichem Wissen, sondern mit Glauben erschlossen und somit geordnet und beherrscht werden können. Dafür steht in früheren Tarots der Hohepriester. Um von direkt religiösen Deutungen wegzuführen, steht im Buntstifttarot die Macht.

Teilt man die Welt in weiblich und männlich, streben diese Teile natürlich wieder der Vereinigung zu. Diese finden sie in der Karte Die Liebenden, die sowohl die tatsächliche Vereinigung der Geschlechter als auch für die Ausgleichung der Prinzipien aus Kaiserin und Kaiser anstrebt.

Die Vereinigung der Liebenden stellt eine Homöostase dar, die im Streben des Lebens keine Beständigkeit haben kann. Sie generiert eine Energie, die im Aufbruchsstreben des Wagens ihre Entsprechung findet.

Der Aufbruch des Wagens in die durch Magier, Kaiser und Hohepriester geordnete Welt erfordert das sorgfältige Ausbalancieren von Innen und Außen, von Wahrnehmbarem und Nichtwahrnehmbaren, von Verstehbarem und Nichtverstehbarem. Dies findet sich in der Ausgleichung dargestellt.

Wer aufbricht, das Sein zu erkunden, und sich um die Ausgleichung des Erkannten und nicht-Erkannten bemüht, zieht sich mehr und mehr aus der materiellen Welt zurück. Für diese Entwicklungsstufe steht der Eremit.

Die Erkenntnis des Eremiten in die Wahrheit des Seins, die es nicht gibt, führt ihn zur Annahme der Symbolik für das Jetzt als flüchtige Nichtexistenz, in der sich alle möglichen Zukünfte entsprechend der Konstellation der Systemparameter zu einer einzigen Gegenwart kristallisieren, um sofort zu Vergangenheit zu werden, die wiederum nichts anderes ist, als die konkrete Konstellation der Systemparameter für die Kristallisation möglicher Zukünfte in die tatsächliche Gegenwart: Das Rad.

Mit der Ergründung des Schicksalsrads finden wir Menschen unseren Weg in das Innere, den Ort, der sein „Ich“ gebiert. Damit entsteht auch die Kraft (bei Crowley die Lust), die Schöpfungskraft der Menschen. Wir der Geschöpfte zum Schöpfer, wird die Menschheit erwachsen.

Mit dem Erwachsenwerden der Menschheit und dem Streben nach der Verstehbarkeit der ganzen Welt und jeder fraktalen neuen Welt, die sich mit jeder neuen Einsicht öffnet, kommt die unausweichliche Erkenntnis um das wahre Sein des Seins, das eine stete Umkehr erfordert, da das neue stets den Wechsel der Perspektiven erfordert: Der Gehängte.

Die Erkenntnis des Gehängten ist, dass es auf dem eingeschlagenen Weg nicht mehr weitergeht. Ein natürliches Ende einer Zeit tritt ein: Tod.

Nach dem Ende des Alten sucht der neu eingeschlagene Weg nun die richtige Harmonie, den waaghaltigen Ausgleich der Erkenntnisse. Diese Suche erinnert an die alchemistischen Prinzipien der vorvergangen Zeit und drückt sich in der Kunst, dem Solve et Coagula, aus.

Wenn die Kunst fordert, alles zu vereinen, können wir nicht vor denjenigen Dingen halt machen, die uns an uns oder an anderen schrecken: Der Teufel stellt die Hürde auf unserem Weg zur Vervollkommnung dar, an der wir auch diejenigen Dinge in uns und in der Welt integrieren müssen, die wir nicht integrieren können.

Diese Integration bricht den Teufelskreis auf; was galt, kann nicht mehr gelten. Dieser Bruch findet sich in der Karte Turm.

Was übrigbleibt, wenn der Turm einstürzt, eingerissen wird, ist eher ein Ahnendes denn ein Wissendes: der Stern.

Das unbewusste sehnen des Sterns zieht eine Auseinandersetzung mit der Nacht, einen Abstieg in die eigene Dunkelheit nach sich: Der Mond.

Im Mond kann man sich verlieren („mondsüchtig werden“), darum braucht es das alles Beleuchtende, alles Erleuchtende der Sonne.

Wenn alles ergründet ist, die Höhen, die Tiefen, das Innen und das Außen, wenn alles ausgeglichen, in Harmonie verbunden ist, steht die Zeitenwende bevor. Ein neues Äon bricht an.

Das neue Zeitalter bringt die Vollendung, die Vereinigung des Endes mit dem Anfang. Hat das Universum seine Perfektion erreicht, ist es wieder am Urzustand des Chaos, aus dem alles werden kann, angekommen.

Die Vollendung des Universums liegt in der vollendeten Harmonie aller Teilchen, im Ende aller Entropie, und somit in dem gleichen Chaos, dass den neuen Urknall und eine neue Durchwanderung des Seins durch die Stufen des Tarot bereits in sich trägt.

Einführung
Diktatur der Herzen

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