Sunday, October 7, 2007

TDDE -- Sputnik

Die Erfahrung lehrt, dass die meisten Blogger in den ersten Wochen sehr häufig posten, und dann mit einer schönen Kurve immer seltener. Ich fürchte, dass auch mir dieses Schicksal droht. Daher versuche ich gleich von Anfang an, nicht öfter als einmal wöchentlich dem uninteressierten Publikum meine gedanklichen Ergüsse anzubieten, dann wird der Abfall in der Kurve wenigstens nicht allzu frühzeitig peinlich.
Mir fällt gerade auf: So ein Blog ist ganz schön egozentrisch. Ich fühle mich schon immer ein wenig schuldig, wenn ich Tagebuch schreibe, aber nun biete ich dieses endlose Kreisen um meine eigenen Gedanken auch noch der Öffentlichkeit an. Ich bin noch nicht wirklich überzeugt, ob das eine gute Sache ist oder nicht. Natürlich dreht sich in Wahrheit jeder um sich, aber muss ich das auch noch in ein öffentlichen Forum tun?

Bevor ich darauf eine Antwort gefunden habe, kann ich auch veröffentlichen, was ich die letzten Tage so zusammengetippt habe:

Ich habe in dieser Woche über die Bedeutung unseres Nationalfeiertags nachgedacht. Auf der einen Seite bin ich kein Anhänger des Nationalstaats als solchem, andererseits weiß ich, dass der Mensch Identifkationspunkte mit einer InGroup haben muss, und Abgrenzungspunkte gegen eine OutGroup. Natürlich dürfen "wir Deutschen" und so weiter, ich muss den Gedanken nicht ausführen, es ist klar worauf er hinausgeht. Aber gerade für mich als Ossi, der ich immer mal wieder für einige Zeit "im Westen" gewohnt habe, ist die Vereinigung ein wichtiges Thema, und es wundert mich sehr, dass der Feiertag für das Privatleben der meisten Menschen, von denen ich es mitbekommen habe, keine weitere Rolle spielt. Dritter Oktober heißt, Politiker halten viele tolle Reden, die sich keiner außer Politiker (und Journalisten) ausgiebig anhört. Dritter Oktober heißt, wichtige Menschen klopfen sich selbst und ihren Genossen für ihre großartige Leistung bei der Wiedervereinigung auf die Schulter. Dann kommt ein Bruch und dahinter die "normalen" Menschen (ich spreche jetzt mal von der sozialen Ebene auf der ich mich (mit meiner beschränkten Wahrnehmungsfähigkeit) auskenne): Dritter Oktober heißt, "da muss ich nicht arbeiten" "da kann ich erledigen was ich sonst nicht schaffe" "da kann ich ausruhen" "da haben die Läden zu und ich muss am Vortag einkaufen" "da können wir uns mal auf einen Kaffee treffen". Wohlgemerkt, dies ist wertfrei gemeint, das gleiche denke auch ich. Aber da mir in meiner egozentrischen Welt die Wende soviele Möglichkeiten eröffnet hat, sollte ich mich nicht ein bisschen mehr freuen? Sollten wir nicht doch diesen positiven Weg (mit all seinen negativen Seiten) als einen Identifikationspunkt nutzen? Aber wie?
Paraden Umzüge Fahnen - schüttel
Für FamilienBBQ ist das Wetter wohl meistens nicht gut genug um diese Jahreszeit. Aber ein bisschen mehr Volksfest? Nicht dass ich ein erklärter Volksfestfan wäre, im Gegenteil, aber für die Gesellschaft böten viele kleine Feste in vielen Orten am dritten Oktober die Möglichkeit eines Gemeinschaftserlebnisses. Und dies fehlt diesem Datum meiner Ansicht nach vollkommen. Aber erwarte jetzt bitte niemand irgendwas von mir! Ich bin nur beobachtender Kommentierer (der Schwachpunkt dieser Position ist mir übrigens durchaus bewusst).

Persönlich habe ich übrigens dieses Jahr zum TDDE an einem Spielenachmittag teilgenommen, bei dem keine Rolle spielte, dass ein Wessi und drei Ossis im Westen zusammensaßen. Denn GEMEINSAM haben wir den einen Ring zerstört. ;-)


Diese Woche war übrigens noch ein "Feiertag". 50jähriges Sputnik-Jubiläum. Ich schätze mal, für die meisten Leute bedeutet das etwas anderes als für mich (garnichts?). Die technologische Leistung wurde mir erst als Erwachsener klar und die politischen Implikationen habe ich erst in dieser Woche ganz erfasst (Deutschlandfunk sei Dank). In meiner Kindheit aber war Sputnik ein lustiger kleiner putziger Roboter der munter um unseren Planeten kreiste. Es gab viele Kinderlieder und -geschichten (falls jemand Texte parat hat, gerne hier posten!), Comics (oder das DDR-Äquivalent zu Comics) und Bilder. Vielleicht liegt das auch am Namen, aber Sputnik hatte einen enormen Niedlichkeitsfaktor. Daher Technologie und Politik hin oder her: Prost, kleiner Sputnik!

Bis bald
SusieQ

Zitat des Tages: The World never stops unmaking what the world never stops making.
But who says the world has to make sense?

(David Mitchell: Black Swan Green)


P.S. Ich suche noch nach einer schönen Überschrift für den Blog. Bin aber von meinen Arbeitstiteln wenig überzeugt, daher ist das Feld weiterhin leer.
Ist euch schon mal aufgefallen, wie viele tolle Sprüche die meisten Leute als Motto/Überschrift in ihren Selbstdarstellungen throughout the Web haben? Wenn man all diese Weisheiten zusammenzählt - und dabei selbst noch die schlimmsten Allgemeinplätze weglässt - müsste man beinahe davon ausgehen, dass die Menschheit einen Riesensatz nach vorn gemacht hat und wir schon bald das Zeitalter von Frieden, Vernunft, Sternenflotte erreichen werden, wahrscheinlich noch in dieser meiner kurzen Lebensspanne.

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