Friday, January 25, 2008

Aktivitaeten und Geschichten - Taupo, Rotorua, Tongariro

Wir haben vom Nordland zu diesem Punkt 20 Tage gebraucht. die meisten Backpacker die wir bisher getroffen haben, reisen Auckland - Northland - Rotorua/Taupo, daher ist unser Weg ein ganz spezieller (wie koennte es anders sein ;o) und dauert eben ein bisschen laenger. Es ist noch immer grau, daher schlafen wir nochmal im Auto bevor wir Taupo ereichen. Der See ist wunderschoen, riesig, dunkelblau (zumindest zu dem Zeitpunkt zu dem wir ihn sehen). Die Stadt nicht so - nicht so blau, nicht gross und vor allem nicht so schoen - ist halt wieder ein Tourizentrum, voller Menschen und Attraktionen. Wir bummeln ein bisschen, schauen uns die Huka Falls an (aergern die anderen Leute indem wir 20 Minuten in einem beliebten Fotomotiv sitzen und rasten ;op) und fahren zu den Craters of the Moon (einem kleinen geothermisch-aktiven Tal) aber da NZ inzwischen absolut jedes dampfende Loch zu einer Bezahlattraktion gemacht hat schauen wir lieber von einem ehemaligen Aussichtspunkt von weitem drauf. Ehemalig weil er zwar noch im Lonely Planet zum Fotosmachen empfohlen wird, inzwischen aber mit einem NO ENTRY Schild versehen ist, man will ja schliesslich Geld, bevor man den Leuten die Groesse der Attraktion zeigt (Rundweg max. 10 Minuten ;) Den Rest des Nachmittags chillen wir unter Baeumen und backen unser Maoribrot (in Oel gebratener weissmehlteig, eignet sich gut fuer campingkocher). Schlafen tun wir auf nem kostenlosen Campingplatz grad ausserhalb von Taupo (Reids Farm). Wurde uns als Hippiekommune empfohlen, ist es aber nicht wirklich. Ja es gibt langzeitcamper hier, aber was an denen hippie sein soll keine Ahnung (James: "Das zeigt nur wieder dass das Wort Hippie heutzutage ueberhaupt nichts bedeutet und in den meisten Faellen eher als Beleidigung zu verstehen ist.") Ausfuerhliche Beschreibung eines ereignislosen Tags, gell? Aber wir haben auch was gemacht in Taupo: Wir sind mit dem Kayak auf den See gefahren und haben uns die Maori Rock Carvings (Felsschnitzereien) angeschaut. Wir sind mit einem sehr liebenswerten Guide (Brian, urspruenglich aus England, ehemals Lehrer, jetzt Geschichtenerzaehler und Kayaktourguide) rausgefahren, und da das Wetter nicht so prall war, warens nur wir zwei und er, wirklich gemuetlich. die Carvings sind sehr beeindruckend und mein Tagebuch enthaelt vier Seiten voller Geschichten dazu. Hauptsaechlich zeigen die Carvings Ngatoroirangi und den Taniwha. Ngatoroirangi war der "Schamane" und Navigator des immigrational Kanus, das die Staemme der Region nach Neuseeland brachte. (Die Staemme Neuseelands (Iwi) gehen immer auf eines der grossen Kanus (Waka) zurueck, das die Vorfahren von Hawaiiki nach Aotearoa brachte. Der Haeuptling und der Zauberer des Wakas sind wichtige Schutzgeister des Stammes.) Der Taniwha ist eine mythische Figur in Drachen-/Wal-Erscheinung, ein Wasserwesen, das einerseits eine Schutzfunktion fuer den ihm zugeordneten Stamm oder ein bestimmtes Gebiet hat und andererseits auch ein Monster ist, das Menschen angreift (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/Taniwha).
Der Zauberer soll den See und die hier lebenden Menschen vor dem Taniwha bewahren, und der Taniwha soll die Carvings und das Land vor den Menschen bewahren. Es gibt auch ein Bild von der Prinzessin vom See, deren Stamm eines Tages von einem noerdlichen Iwi angegriffen wurde. Ihr Mann befahl ihr, sich schwimmend zu retten und sie schwamm durch den gesamten See und blieb die einzige Ueberlebende des Angriffs. Geschichten, so viele Geschichten.
Das war alles sehr beeindruckend, vor allem da die Meister, die diese Kunstwerke 1983 schufen, vorher nur Holz bearbeitet haben (Daher Felsschnitzereien)... Anyway, nach 4 Stunden Kayak und Geschichten bummeln wir noch einen halben Tag und brechen dann auf Richtung Rotorua, schauen uns unterwegs ein paar geothermische Zentren an (alle zu teuer) und campen im Regen kurz vor unserem Ziel. Da das Zelt gegen Morgen ziemlich durchnaesst ist, haben wir einen ganzen Morgen mit wenig Leuten auf den Strassen fuer Kaffee und Bummeln, dann bringen wir Putu mal wieder zum Autodoc, da seine Ruecklichter nicht funzen, ist aber in zehn Minuten erledigt, und jetzt haben wir ploetzlich auch Licht im Amatourenbrett. Wie doch alles zusammenhaengt. Wir checken im Spa Lodge Hostel ein, spielen ne Runde Monopoly (wie lange ist das her...) und trocknen Zelt und Schlafsaecke, bummeln wieder ne Runde als der Regen aufhoert. (Noch ne Geschichte: In Rotorua gibt es einen kochenden See. Vor Zeiten war dies ein normaler See, in dem ein Maorimaedchen jeden Tag badete. Eines Tages kam der Taniwha vom Grund des Sees und nahm sie mit sich. Der Mann des Maedchens schrie zu den Goettern, die den Taniwha bestraften indem sie den See zum kochen brachten. Seitdem dampft der See, und keiner kann mehr darin baden.) Abends haben wir einen der wichtigsten Kiwifilme angeschaut: Once were Warriors (http://imdb.com/title/tt0110729/), der war ganz schoen heftig aber definitiv empfehlenswert. Da Rotorua eines der wichtigsten Tourizentren NZs ist, beschliessen wir, hier unser schlimmstes Touriding zu machen und suchen einen der Maori Heritage Parks auf, Te Puia, einer Mischung aus Maorikulturmuseum und Geotherme. Wir sehen ein Maoritanzkonzert (ich glaub ich muss mir doch Pois kaufen und lernen damit umzugehen auch wenns lange dauert, es sieht einfach so cool aus), Blubberschlamm und den Geysir Pohutu, der bis zu 30 m hoch sein kann. So bringen wir den groessten Teil des Tages rum, auch wenn wir lieber "RealLife"-Maori-Kultur erleben wuerden, aber dazu werd ich mir auf der Suedinsel Homestays suchen. Im Souvenirshop hab ich mir noch ein Maorilegendenbuch gekauft, und spaeter festgestellt, dass es auf Maori (und Englisch) ist. Versuche jetzt was zu lernen, aber geht echt nicht leicht...
So, Kayak und Touritours, aber das wars noch nicht mit den Aktivitaeten. Am naechsten Tag war ich Zorbing. Beim Zorbing rollt man in einer 4-Meter-Plastikkugel einen Huegel hinunter. Dabei ist man festgeschnallt, so dass man sich nicht den Hals bricht, und dann gehts rund :o) Das war lustig. (Ich dachte mir halt, wenn ich mir den ganzen Kiwi-Adrenalinspass (Bungy und Skydive) spare, dann wenigstens das...) Danach waren wir noch in ein paar Stunden in der Kletterhalle, und obwohl meine Haende immer noch schweissnass sind wenn ich nur hochgucke, bin ich doch jede Wand die ich in Angriff genommen habe, bis ganz hoch gehorstet, sogar den Kamin, der war echt hart - also fuer mich zumindest. Abends sind wir dann rund um die Westseite von Lake Taupo zum Tongariro-Nationalpark gefahren und haben direkt im Eingang zum Tongariro-Crossing gezeltet. Darueber haben sich die 6Uhr-Crossing-Bewanderer koestlich amuesiert. Nach einem ausgiebigen Fruehstueck haben wir uns dann also in den Nationalpark aufgemacht, allerdings schenken wir uns die komplette Strecke des Tongariro Crossing, denn nur weil es alle machen, muessen wir das noch lange nicht auch tun. Wir wandern also entspannten Schrittes und werden von allen ueberholt, aber trotz meiner alten Raucherlunge, die schnauft wie eine Dampflock, hab ich dann doch die Haelfte der Ueberholer auf der Teufelsleiter wieder eingeholt und war ganz stolz auf mich. Dann sind wir auf den Ngauruhoe gestiegen (LOTR-Fans: Mount Doom) und haben oben auf einem Dampfauslass gesessen, um uns zu waermen. Leider war das Wetter noch immer nicht besser, d.h. die gesamte Besteigung erfolgte im Nebel und ich konnte nichts vom Lake Taupo, den Emerald Lakes und den anderen Vulkanen sehen. James war im Fruehling schon mal hier und hat mir wunderbare Fotos gezeigt, aber ich hatte mal wieder das Brett. Die Besteigung war trotzdem der Hammer, soooooo steil und rutschig. Die meisten leute nutzen als Abstieg die Schlitterbahn und rennen und rutschen eher als dass sie steigen. das fanden aber meine Knie nicht so lustig daher sind wir die Felsen runter und haben ungefaehr zehnmal solang gebraucht wie alle andern. Nach einem ausgiebigen Picknick und kurzen Nickerchen sind wir schoen langsam wieder zurueckgewandert - und haben insgesamt genauso lang gebraucht, wie durchschnittlich die gesamte Tour dauert. Wie wir das hingekriegt haben weiss ich allerdings auch nicht.
Und damit war unsere Zeit im Herzen der Nordinsel auch schon um, als naechstes steht der Forgotten World Highway auf dem Programm, der uns an die Westkueste fuehrt. Dazu aber ein andermal mehr.


Pics in http://picasaweb.google.de/Celebdae13/DasHerzDerNordinsel

1 comment:

hühnerschreck said...

ohhhh, wie schön das alles klingt ... weckt mein fernweh aufs heftigste ...
naja, in vier stunden gehts ab in den schnee, und das totale kontrastprogramm.

sue, ich vermiss dich und freu mich drauf, dich im frühling wieder zu sehen und überhaupt!

grüß die kiwis und fühl dich geknutscht vom

frau hühnerschreck aka anca.