Das Fotoalbum ist wieder online. Go check it out.
Um es gleich vorwegzunehmen: Der zweite Teil unserer Irlandtour hat uns wieder mit dem Land versöhnt. Ab Dingle war nicht nur die Landschaft geil und die Leute freundlich(er) und offen(er) (als zuvor), sondern es gab öffentliche Toiletten und Mülleimer. Und man wurde nicht rund um die Uhr beäugt, ob man den Locals wohl was böses will. Doch um dahin zu kommen, mussten wir erst einmal noch einige weniger freundliche Erfahrungen machen:
Nach unseren unspektakulären Mitte Irlands haben wir mal wieder Campingplatzbedarf. Unser Wasser ist alle und unser Klo voll. Außerdem: Duschen (duschen!!!) …
Wir suchen uns den Campingplatz in Cong aus. Cong ist eine abgefahrene alte Klosterstadt auf einer Insel in einem Fluss der zwischen zwei Seen durchführt. Und außerdem die Schleuse nach Connemara, was wir eventuell auch noch bereisen wollen, aber erst mal schauen. Wir finden den Campingplatz und die wollen trotz September 25 Euro pro Nacht. Duschen und Strom kosten extra. Als wir fragen, wofür wir da 25 Euro bezahlen, heißt es, na den Stellplatz und es gibt ja WLAN. Und immerhin müssten wir ja nicht mal für das Kind bezahlen. Mmh. Parken für 25 Euro pro Tag ist schon ein geiles Konzept. Landbesitz müsste man haben. Da ich den ganzen Tag Kopfschmerzen habe, gönnen wir uns den Luxus und ich mache erst mal Mittagsschlaf. Danach heißt es Klarschiff für Hobo. Zum Glück machen wir das in dieser Reihenfolge und so finden wir – bevor wir unseren Frischwasserkanister am Hahn auffüllen – im Klo ein Hinweisschild, dass das Wasser auf dem Campingplatz nicht gefahrlos getrunken werden kann, sondern im gesamten County Mayo eine Bakterienverseuchung vorliegt. Ich raste fast aus, denn der Wasserzugang war das einzige, was inklusive war und man muss einer Familie mit schwangerer Frau und Kleinkind hier offenbar nicht bescheid sagen, dass das Wasser nicht ungekocht getrunken werden kann?! Wir wollen unser Geld zurück und abreisen. Und als ob das der Frechheit noch nicht genug gewesen wäre, wollen sie von den 25 Euro drei einbehalten, immerhin haben wir ja jetzt zwei Stunden hier geparkt. Ich werde heute noch wütend, wenn ich das schreibe. Mein Göttergatte bleibt ganz ruhig und führt die Verhandlungen zu einem befriedigenden Abschluss.
Wir besorgen uns zwei Wasserflaschen und suchen einen kostenlosen Übernachtungsspot. Und haben, nach all der Aufregung, jetzt so richtig Glück: Ein Brownsign führt uns zu einer Klosterruine Ross Errilly Friary (wer es auf Gälisch will: Malnistir Ros Oirialaigh), einem Franziskanerkloster aus dem 14. Jahrhundert. Wir sind ab vom Schuss, haben einen Stellplatz und in der Ruine spukt und pfeift der Wind. Die Racker haben riesig Spaß, dort zu erkunden und wir ein Ankommengefühl.
Da wir von Cong ein wenig Infomaterial haben, das uns auf Steinkreise, Temples und Gods hinweist, fahren wir trotz unserer Wut auf die Congolesen doch noch mal zur Besichtigung hin, damit wir wenigstens nicht umsonst in dieser Region gelandet sind. Connemara jedoch schreiben wir ab, da das von der Wasserproblematik auch betroffen ist und wir ja immer noch einen leeren Tank haben. Wir spazieren im Wald am Ufer des Lake Corrib, machen eine Rundfahrt durch Cong – tatsächlich malerisch und die ERSTE ÖFFENTLICHE TOILETTE seit siehe vorherige Posts. Von den drei Steinkreisen finden wir einen, zu dem es zwar einen Weg aber keine Parkmöglichkeit gibt und der eingezäunt ist, man könnte ja was kaputt machen. Auch die Sehenswürdigkeiten von Neale (Temple and Gods) verpassen wir leider, da sie nur zu Fuß erreichbar sind, und der Kleine gerade in den Mittagsschlaf übergegangen ist und wir ihn nicht herausreißen wollen. Er schubt grad (alle Eckzähne sind jetzt da und er wächst wie ein Rübchen). Ich habe aber Schilder gefunden und was auch immer sich hinter dem Temple of Neale verbirgt, er stammt doch aus dem 14 Jh. und ist nicht vorchristlich. Wir schlagen es nach, wenn wir zu Hause sind, damit wir wenigstens wissen, was wir denn verpasst haben.
Und damit verlassen wir den verseuchten County Mayo und schlagen uns nach Galway durch (Galimh), wo man wenigstens das Wasser trinken kann. Übrigens dreht sich ums Wasser gerade eine der wichtigsten gesellschaftlichen Debatten Irlands, das war hier nämlich bis vor kurzem kostenlos (kostenloser Zugang zu Trinkwasser!!! geile Scheiße) und jetzt gibt es irgendwelches Theater mit der EU wegen Wettbewerbsrecht und Apple muss irgendwas bezahlen und deshalb soll es jetzt Wasserabgaben geben, oder gibt es schon neu eingeführt. Ganz genau sind wir daraus nicht schlau geworden, aber wenn sie es ohne Abgaben nicht hinkriegen, sauberes Trinkwasser bereit zu stellen (laut der Dame auf dem Campingplatz kommt das in Mayo wohl häufiger vor), hilft ja vielleicht eine Abgabe, dann gibt es Geld für Filtersysteme.
Nun also Galway. Es gibt kein Park & Ride und die Stadt ist für den Verkehr, der hier durchgeht, absolut nicht ausgelegt. Also Verkehrskonzepte haben die Iren nicht. Dafür ist Galway tatsächlich sehr schön und hipp und kneipig und voller Flüsse (leider mit gelben Schaumkronen) und mit Hafen und Touris und allem was das Herz begehrt. Mein Herz begehrt nach Teilhabe, und wie immer, das Budget... Also reichen uns zwei Stunden Bummeln. Die uns übrigens zum Schluss wieder ein paar komische Seiten dieses Landes vor Augen führen: die Kathedrale sieht aus wie ein Gefängnisbau mit Türmen (oder der Sitz eines krassen Geheimdienstes oder sowas) und wenn einen Katholizismus als Staatsreligion eh schon gruselt dann hilft das und die danebenliegende katholische Boys School mit mindestens 1000 Schülern, die alle nicht in der Lage sind, „Entschuldigung“ zu sagen, wenn sie blindlings in schwangere Frauen reinrennen. Es stand ja auch keine Nonne mit Stock hinter ihnen, um sie auf die geforderten Verhaltensregeln hinzuweisen.
Wir fahren raus aus der Stadt gen Burren National Park. Das dauert zwei Stunden (also das Aus-der Stadt-Rausfahren), denn absolut alle Wege gen Süden und Osten laufen über eine einzige zweispurige (!) Ausfallstraße. Siehe oben.
Wir schlagen uns erfolgreich nach Kinevara durch, wo wir einen Parkplatz am Castle finden, um die Nacht zu verbringen. Im Castle findet ein Medieval Banquet statt, wo sich die Leute schön verkleidet haben und alles. Man lässt uns nicht mitmachen, es ist leider eine private Veranstaltung. Dabei sehen wir aus wie mittelalterliche Landstreicher, ganz ohne Verkleiden. Und sowieso, die klappern mit Tellern und Besteck. Von wegen medieval.
Am nächsten Tag erkunden wir das Städtchen, es ist sehr hübsch und die Leute hier sind tatsächlich freundlich und freuen sich auch über Touristen. Wir kaufen Brot auf dem Farmers Market und genießen den Bummel. Mittags besuchen wir das Burren Nature Reserve, ein privater Kindererkundungspark, der wirklich toll aussieht (Empfehlung), aber da es derweil in Strömen regnet und stürmt, sind keine anderen Kinder da und für nur den Indoor-Teil der Anlage lohnt sich hier Eintritt zahlen nicht. Da machen wir lieber eine Burren-Rundfahrt. Es ist eine Landschaft aus felsigen Bergen und Küste und sieht teilweise total mondig aus, siehe Fotos. Wir picknicken im Sturm (lang lebe ein Haus auf Rädern, auch wenn es sich manchmal anfühlt, als reißen die Böen es um) und nutzen danach ein Wolkenloch für eine kleine Mondlandschaftskletterpartie. Die Nachtplatzsuche verlegen wir ein wenig weg von der Küste und fahren landeinwärts, in der Hoffnung, ein windgeschütztes Plätzchen zu finden. Mit Erfolg, einer der wenigen Waldwege Irlands (bei Kilfenora) bietet uns Nachtlager, Windschutz und Brombeeren.
Am nächsten Tag gönnen wir uns, nach einem morgendlichen Waldspaziergang (nach dem Frühstück in den Wald ist nach wie vor eine der schönsten Aktivitäten der Welt), nun endlich den lange fälligen Campingplatz in Doolin. Hier sind alle supernett, der Platz ist gut durchdacht und bezahlbar, etwas von der Küste weg, daher windgeschützt, und direkt am Bach. Wir putzen Hobo und uns und chillen, was das Zeug hält.
Am nächsten Tag steht eine der großen irischen Touristenattraktionen auf dem Plan, die Cliffs of Moher. Dank der Tipps anderer Reisender ergattern wir einen Platz auf dem versteckten kostenlosen Parkplatz und wandern über die Felder zu den Klippen. Wir sind leider ein bisschen blöd und finden den Eingang zum Walk nicht, daher müssen wir über den Weidezaun. So ein kleiner Stromstoß unterm Po macht ganz schön wach, muss ich sagen. Wenn man es „richtig“ macht, sind selbst selbst die erschlossensten Orte aufregend und gefährlich. Gefährlich ist diese Wanderung mit 80-120kmh-Böen an 30 Meter hohen Steilküsten sowieso, besonders mit Babytrage und Babybauch. Deshalb haben wir auch keines der „Ich sitze auf den Klippen von Moher und lasse die Beine baumeln“-Fotos, die the young and reckless sich hier gönnen. Trotz des Touri-Ansturms sagen wir zum ersten Mal in Irland „Hier müssen wir noch mal mit mehr Zeit her“ und den Burren-Walk machen. In Schottland hatten wir das ja öfter.
Nachmittags erkunden wir die nächste Bucht mit einem riesen Parkplatz direkt aufs Meer hinaus. Und die herrliche Brandung... Hier könnte man vielleicht die Nacht verbringen, rundrum stehen nur unbewohnte Ferienhäuser. Aber es stürmt noch immer und irgendwie sehnen wir uns nach ruhigen Nächten, also fahren wir weiter. Da sehen wir zwar noch ein bisschen was vom Burren, aber zugleich scheint es auch ein Fehler zu sein, denn weit und breit kein tauglicher Spot. Alles ist besiedelt und Privatbesitz und keine Parkmöglichkeit. Wir folgen einem Brownsign zu einem Castle&Archeology Center. Und fahren, und fahren, und fahren. Nach 20km frage ich einen Farmer, ob wir noch richtig sind, er sagt, das ist in ca. 4 Meilen. Also weiter. Nach ca. 6 km wieder ein Brownsign zum „Archeology Walk“. Ok, ist das nun das gleiche? Sie werden schon keine zwei verschiedenen Archäologiedingse auf einem Haufen haben, also folgen wir dem Schild. Nach weiteren 5km ein Schild zu einem Castle. Ist das noch das gleiche Castle wir vor 30 km? Drei Abbiegungen mit wiederum anderen Schildern („Castle Tearoom“ und „Castle und Archeological Center“) später erreichen wir Dysert O'dea Castle and Archeology Center, so wie es auf dem ersten Schild gestanden hatte. Irish signing, man, Irish signing. Man bedenke, dass die gesamte Strecke auf ca. 2,70 breiten Straßen mit links und rechts Gestrüpp stattfindet, und wir somit knappe zwei Stunden mit einer Spotsuche verbracht habem, bei der wir nicht wussten, ob wir am Ende werden die Nacht über parken können. Ich sage nur National Heritage Center (siehe letzter Post). Das Castle sieht cool aus und liegt mitten in Wald und Feld und der Tearoom ist urig und zur Belohnung fürs Durchhalten erlauben wir uns mal wieder Creme Tea. Die Tearoom Lady ist super nett und erlaubt uns, die Nacht im Castle Carpark zu verbringen. Yay. Things are looking up. Wir sind windgeschützt, aufgewärmt und alleine im Carpark. Und haben sogar noch Zeit, für den Archeology Walk mit Stationen wir 13. Jahrhundert Kirchen und 16. Jahrhundert Heilige Quellen (die mit ihren Heiligen Quellen) und Dark Ages (6. Jahrhundert?) Rundforts. Letztere sind nicht ausgegraben sondern sehen aus wie Steinhaufen inmitten von Kuhweiden, aber wir haben sie erkundet und wir sind die einzigen hier, was nach Moher ja schon wieder was hat. Unterwegs im Dorf (ist das nun Dysert? Man weiß es nicht.) treffen wir eine nette Amerikaner-Irin und kommen in ein derartig gutes Gespräch, dass wir es erst kurz vor Sonnenuntergang zurück nach Hause schaffen. Und uns für morgen zum Tee verabreden.
Nachts regnet es wieder und jetzt erklärt uns unsere Klimaanlage endgültig den Krieg. Wir erinnern uns, undicht und so. Die gesamte letzte Zeit hatte es gereicht, dass wir die Innenseite mit Stoff ausgestopft hatten. Die Wassermengen waren wohl nicht groß genug. Aber nach einer kompletten Regen- und Sturmnacht haben wir eine massive Havarie. Zwar tropft kein schwarzes Wasser mehr raus, dafür scheint jetzt aber das Wasser nicht nur an den Rändern durchzudrücken, sondern mitten durch die Luftschlitze reinzufließen. Wannenweise Wasser. Das muss doch ein Konstruktionsfehler sein. Den Vormittag verbringen wir mit Schöpfen, Gießen, Trocknen. Dabei bemerken wir, dass wir anscheinend gestern unterwegs unseren Abwasserhahn verloren haben. Der war, wie wir schon vor einigen Wochen mal festgestellt hatten, auch nur notdürftig rangeklebt gewesen und die ganze Konstruktion war schon auf unserer Überholungsliste, aber nun sind wir ganz ohne Hahn und können die Abflüsse nur benutzen, wenn rauslaufendes Abwasser kein Problem ist. Nun gut, alles nicht so schlimm. Hauptsache der Kofferraum rottet nicht noch mehr durch, so dass die Inhalte wenigstens noch bis zu Hause drin bleiben. Hier ist soviel gepfuscht gewesen, was wir beim Kauf nicht gesehen haben. Do it yourself, gerne, aber doch ordentlich. Naja, wir lieben Hobo mit all seinen Macken und müssen halt noch viel dran tun. Hauptsache jetzt unterwegs kriegen wir die Klima wieder dicht.
Wir fahren ins Dorf, hatten uns ja gestern mit Kerry verabredet, und da es immer noch regnet, lädt sie uns zu sich nach Hause ein. Wir verbringen wunderschöne Stunden mit Quatschen und Drinsitzen und später draußen mit Hunden und Katzen spielen. Und erfahren viel über Irland. Zum Beispiel, warum so viele Parkmöglichkeiten höhenbeschränkt sind: Es gibt hier wohl eine gesellschaftliche Gruppe der Traveler, die sich ähnlich wie Roma und Sinti der Sesshaftigkeit verwehren und als soziale Gruppe sehr in sich abgeschlossen sind. Sie gelten als stark patriarchal, gewalttätig und archaisch, unzivilisiert und werden mit Misstrauen und Angst betrachtet. Man hat also nicht prinzipiell was gegen Camper, aber gegen Herumtreiber, die nicht am Business teilnehmen, halt schon.
Wir reden auch viel über EU und Wirtschaftskrise und Brexit und Wasserabgabe und Apple und Co. und Unternehmenssteuern und es ist schön, einen Einblick ins „Irische“ zu erhalten, der zugleich von einer Zugezogenen, und somit in gewisser Hinsicht auch relativiert ist. Es ist schon später nachmittag, als wir uns verabschieden, und so bleiben wir die Nacht einfach am Rand dieser Dorfstraße stehen. Nach unserem ersten Aufenthalt in einem Haus seit so langer Zeit haben wir gerade gar keine Lust auf irgendwas machen und erleben und weiter weiter weiter. Wenn man zu Hause ist, sitzt man halt auch einfach mal nur so rum und quatscht. Und das hatten wir so lange nicht. Ich glaube, wir haben ein bisschen Heimweh.
Am nächsten Tag aber haben wir wieder Lust aufs Weiter, also fahren wir durch Ennis (unspektakulär) nach
Exkurs A:
Es war einst ein König in Shrule,
Der ging nicht so gerne zur Schule.
Er hing lieber rum,
Darum blieb er dumm.
So war's mit dem König in Shrule.
Exkurs B:
Es war einst ein Männlein in Köthen,
Das hatte gar arg große Klöten.
Die hingen herum,
Das fand man sehr dumm,
D'rum musste man es leider töten.
- ihr habt es erraten -
Limerick, was wieder sehr hübsch ist, mit einem Fluss (irgendwie liegt hier jede Stadt an einem Fluss) und Burg und Kirchen ohne Ende. Mein Bester darf hier endlich mal zum Barbier und sieht ganz wundervoll zivilisiert aus plötzlich. Nach kurzem Spaziergang fahren wir weiter zum Schlafplatzsuchen. Wir finden ihn in Glin direkt neben einem Spielplatz, das beglückt unseren Kleinen sehr.
Nach ausgiebiger Bespielung folgt am nächsten Tag eine Rundfahrt auf der Halbinsel Dingle mit Stopp im Celtic Archeological Museum. Das ist in einem Privathaus und stellt Fundstücke aus ganz Europa von der Steinzeit bis zu den Kelten aus, bietet aber wieder kaum Infos zum Panthon oder der Lebenswelt oder den Mythen der Kelten. In dieser Hinsicht hat Irland nichts geboten und wir freuen uns aufs Internet. Dafür Waffen und Schmuck aus Stein- und Bronzezeit, einen riesigen Mammutschädel (gefunden in der holländischen Nordsee) und ein urzeitliches Höhlenbär-Skelett. Wir sind einerseits enttäuscht, haben andererseits viel Spaß am Erkunden der Vergangenheit und der Sammlungstheorie (was wird hier wie ausgestellt; wo kommt das her; und wie wohnen diese Leute hier (wir erhaschen einen Blick auf herrliche Privaträume voller alter Sekretäre, Lampen und Trödel)). Dann fahren wir weiter durch Dingle (niedlich aber trotz Saisonende rammelvoll mit Touristen) zum Slea Point (das ist möglicherweise einer der westlichsten Punkte der irischen Hauptinsel)). Die Strecke ist wunderschön, Berge und Klippen und Meer, oh wilder Atlantik, und wir finden einen Parkplatz von dem aus man die Steilküste runterlaufen kann und unten ist dann (bei Flut) ein kleiner Strand, der über Nacht (bei Ebbe) zu einem großen Strand wird. Das Meer macht herrliche Farben und zum Sonnenuntergang färbt sich der Himmel rosa. Wir sind glücklich. So haben wir es uns vorgestellt.
Den nächsten Tag erkunden wir weiter die Dingle Halbinsel entlang des Slea Head Drive. Es gibt bronzezeitliche Ringforts und Bee Hive Huts zu besichtigen, auch Klöster und frühchristliche Kirchen, die wir uns aber ersparen. Wiederum wünschen wir uns mehr Zeit und Fitness für Tageswanderungen, denn es ist wirklich schön hier. Mittag essen wir am Strand von Inch, einem riesenlangen Beach mit Wellen und Surfern. Die Racker lieben das Meer und der Kleine erzählt noch Tage später, wie er mit der Mama Pitschpatsch gespielt hat.
Danach verlassen wir Dingle gen Ring of Kerry, der Rundfahrt auf der „schönsten“ der irischen Regionen. Kilarney selbst sparen wir uns aus den bekannten Gründen. Stattdessen beginnen wir unsere Rundfahrt an der Gap of Dunloe, einem vielbesuchten Tal zwischen den höchsten Bergen Irlands, den Mac Gillycuddy's Reeks. Hier gehen einerseits Wanderwege auf den Corrán Tuathail (mit 1039m der höchste) los, andererseits kann man auch das Tal entlang wandern oder sich mit der Pferdekutsche rumkutschen lassen. Wir „wandern“ ein wenig, aber mehr als zwei Stunden halte ich einfach nicht mehr durch und so drehen wir am ersten Viewpoint wieder um. Und dann ist hier – wie auch an den wenigen anderen Stellen, wo wir überhaupt Wanderwege in Irland gefunden haben (Burren Walk, Dingle Way, und jetzt eben hier) – wieder mal der Wanderweg auf der Straße. Klar, die Straße ist schmal und die Leute müssen wegen den Kutschen sowieso langsam und vorsichtig fahren, aber echt, als Wanderweg ist Straße scheiße. Und hier fahren so viele Leute einfach hoch zum Aussichtspunkt, und es gibt auch B&Bs und alles, da ist man quasi der Depp, wenn man das zu Fuß macht.
Den Rest des nachmittags verbringen wir bei den Pferden neben dem Parkplatz, die hier für Reit- oder Kutschtouren bereit stehen. Der Kleine fährt voll drauf ab. Zwar nennt er sie hartnäckig Muh, aber er lässt sich nicht davon abbringen, sie zu streicheln und erzählt heute noch davon, wie er bei dem Mann, der auch einen Hund hatte, auf dem Pferd saß, das währenddessen gegessen hat. Und wie die Mama ihn gehalten hat und das Pferd ganz weich war: Ma Wuf Muh hoppe hoppe namnam Mama weich.
Übrigens beginnen für uns jetzt rosige Zeiten. Der Parkplatz ist kostenlos(!), nicht höhenbeschränkt(!), hat eine öffentliche Toilette(!) und kein „No overnight parking“-Schild. Und so finden wir es in Kerry häufig vor. Außerdem gibt es ein kostenloses Info-Heft über die gesamte Region Kerry mit Karten zu allen Sehenswürdigkeiten und 130 Seiten Tipps und Termine. Als könnten sie doch Tourismus, die Iren.
Den kommenden Vormittag verbringen wir wieder bei den Pferden – die wir Erwachsenen aber nicht beneiden, die haben nicht das schönste Leben, stehen teilweise über Stunden ohne Wasser oder Wiese an kurzer Leine rum und schleppen ansonsten vier bis fünf Leute den Berg hoch. Manche der Kutschpferde sehen auch echt nicht gut aus. Aber der Kleine hat Spaß und Abenteuer und so gönnen wir ihm das. Dann cruisen wir ein wenig durch die Berge zum Caragh Lake, lunchen am River Cloon und spazieren durch den Lickeen Wood (Coill Licín). Dann checken wir Glenbeigh und Kells Bay (kleine hübsche Bucht mit dichten, urigen Wäldern) nach einem Nachtplatz ab, aber leider ohne Erfolg. Fündig werden wir in Cahersiveen am Ballycarbery Castle, einer kuhbewehrten Burgruine direkt an der Bucht, die uns nicht nur malerische Fotos schenkt, sondern auch einen einsamen Schlafplatz. Bei Vollmond über der Ruine verbringen wir einen gruseligen Abend.
Hier wieder ein kleiner Exkurs: Auf jedem unserer abseitigeren Schlafplätze kamen irgendwann im Verlauf des Abends zwischen einem und drei Autos hingefahren, haben gewendet und sind wieder weggefahren. Entweder, das hat etwas mit dem Bürgerwehr-Verhalten zu tun, das wir hier in Schildern an verschiedenen Stellen angekündigt bekommen haben (This is a Text Alert Area) und wir wurden abgecheckt, oder an jedem unserer Schlafplätze wollte abends jemand knutschen und hat es sich anders überlegt, weil ein Camper rumstand. Oder wer weiß, welche anderen abenteuerlichen Gründe es für dieses wiederholte Phänomen gibt.
Am nächsten Tag erkunden wir noch die beiden Ringforts, die hier direkt um die Ecke liegen, Leacanabuaile und Cahergal. Beide stammen aus frühchristlicher Zeit und waren vermutlich die übliche Wohn- und Versammlungsstatt der örtlichen Obermacker. Sie wurden schön wieder hergerichtet, so dass man sie beklettern und weit ins Land schauen kann. Auch sie liegen wieder inmitten von Weiden, und während wir gerade zu dem einen gehen wollten, kommt auf einmal eine Herde Kühe im gestreckten Galopp auf uns zugerannt. Wir waren froh, dass wir wegen der Racker nicht wirklich vorwärts kommen, und deshalb nur 60m vom Gatter weg waren. Vor dem Zaun bremst die Kuhattacke ab und nun stehen sie provokant davor und lassen uns eindeutig nicht vorbei. Hat Rocky doch recht, wenn er Schiss vor Kühen hat. Später liegen sie gemütlich in der Wiese und verdauen und lassen uns ganz unkommentiert einfach durchmarschieren. Viecher, ey.
Nach dieser Landpartie cruisen wir weiter den Ring of Kerry entlang und kommen auf der Skellig Route im äußersten Westen zu „The most spectacular Cliffs of Kerry“ laut Brownsign. Es gibt einen Carpark mit Toilette (Kerry, ey!) und ein Café und dann ein Pförtnerhäuschen, und da sollen wir dann pro Nase vier Euro zahlen, um die zehn Minuten übers Feld zu spazieren und Felsen zu sehen. Ich habe es schon einmal gesagt, Landbesitz! Die müssen in der Saison mehrere Tausend pro Tag einnehmen, so wie hier selbst im September die Leute denken, ach naja, jetzt sind wir schon mal hier, da zahlen wir das halt. Wir nicht. Wir lunchen im Carpark und reisen weiter.
Die Straße kriegt mal wieder unangekündigt 17% Steigung und Hobo kämpft sich im ersten Gang hoch, und wieder ist es einspurig, zum Glück hält der Gegenverkehr am Passing Place oben am Berg und lässt uns durch. Hinter dem Berg werden wir mit dem niedlichen Portmagee belohnt und der herrlichen St. Finnans Bay, in der uns ein kostenloser Parkplatz direkt über der Bucht ein Nachtlager und einen wundervollen Nachmittag mit Pitschpatsch, Felsen, Klettern und direkt um die Ecke einen Spielplatz beschert. Wir lernen eine kleine deutsche Familie kennen, die hier für eine Woche ein Ferienhaus mit Blick auf die Schären vor der Küste (Skelligs) haben und bei denen wir uns zum Wäschewaschen einladen (Tausend Dank, Mellie und Klaus!!!) und den späten nachmittag mit den Kindern spielen und Kaffee trinken. Ein rundrum herrlicher Urlaubstag.
Es regnet mal wieder die Nacht durch, aber seit unserer neusten Kompettverklebung der Klimaanlage bleibt alles dicht und trocken. Mülltüten und Gaffer Tape, des Motor Homies wichtigstes Werkzeug. Bei diesem Wetter ist eine Autorundfahrt am Ring of Kerry doch das beste, was man machen kann und so geht es also weiter. Zunächst zum großen Strand von Ballinskelligs, wo wir die Morgenwanderung abhalten und das Wetter wieder aufreißt. Inselwetter, jeden Tag etwas von allem bitte. Dann geht’s vorbei am hübschen Caherdaniel durch Wald und Fels und Meer und üppige Vegetation zum nächsten Ringfort (Staigue), diesmal wieder ein keltisches aus dem zweiten Jahrhundert. Klar, kennste eins, kennste alle. Aber wir wollten einen schönen Platz zum Mittagessen und den haben wir hier in den Hügeln. Und auch hier: Kostenloser Parkplatz mit öffentlicher Toilette. Kerry macht den ganzen Kampf der ersten Irlandhälfte wett. Und zwar locker.
Als unseren Schlafplatz visieren wir dann den Kenemara Stone Circle an. Der liegt quasi am unteren Ende der Halbinsel, und da wir langsam aber sicher an die Heimreise denken müssen, wollen wir den Ring of Kerry an dieser Stelle verlassen. Und da ist das doch ein würdiger, mystischer Abschluss. Denkste. Der Kenemara Steinkreis liegt tatsächlich mitten in der Kleinstadt Kenemara, die Beschilderung dahin hört plötzlich auf (man muss absolut wissen, wo man das letzte Schild suchen muss, um es zu sehen), und wenn man ranfährt hört plötzlich die Straße auf, es gibt keinen Parkplatz und kaum genug Platz, zwischen den kleinen Häuschen zu wenden. Wir sind erst mal gesackt und fahren aus Kenemara wieder raus. Im Wald vorher hätte es vielleicht die ein oder andere Rausfahr- und Übernachtemöglichkeit gegeben, aber zurückfahren für Spots ist immer irgendwie doof also fahren wir weiter, gen Cork. Ein Fehler, hier geht wieder die durchgängige Besiedlung bzw. Landwirtschaft los. Die Designated Driverin hat die Schnauze voll und so kehren wir um und parken Hobo mitten in Kenmare an einem kleinen Park. Wir bummeln durch die Stadt (es ist eine Heritage Town mit Schautafeln überall, die von den Klostern und Nonnen hier berichten und schönen Personenkult betreiben, geradezu niedlich und vollkommen touristisch) und kommen nun doch noch zum Steinkreis. Er ist gleich noch ein zweites Mal witzig, denn wenn man durch das Gated Community-Tor durch ist, hinter dem es irgendwo zu dem Steinkreis geht, kommt man an eine Pförtnerhütte mit Videokameras und einem Schild „Kasse des Vertrauens, 2 Euro bitte“ und irgendwelchem Feel the magic of this old place bla. Wir winken der Videokamera zu (ich filme sie ein bisschen, wer austeilen kann muss auch einstecken, hihi) und tun – wie auch die Leute nach uns, ihren schuldbewussten Mienen nach zu urteilen – so, als steckten wir was in die Box. Gehen drei Meter und da, ein kleiner Steinkreis. Ich muss so lachen. Wir feelen also ein bisschen die Magic und dann spazieren wir weiter. Diese unsere erste Nacht seit Musselburgh in der Stadt ist ganz ok, ein paar Besoffene schreien sich an, aber sonst als Spot gar nicht schlecht. In der Nähe der Öffentlichen Klos (ja!!!) mit einem Park vor der Haustür und so weiter. Und keiner belästigt uns. Also wieder mal alles super.
Und damit endet erst mal der touristische Teil unserer Reise. Wir stellen nämlich fest, dass unser Gas zur Neige geht, und wir sind nicht sicher, ob wir es mit Kühlschrank und täglichem Kochen und Tee und allem tatsächlich bis heim schaffen werden. Und die hiesigen Gasflaschen gehen natürlich nicht an unser System. Ich ergoogle in Cork eine Firma, die wohl auch befüllt, und mit deutschen Flaschen umgehen kann, und so verzichten wir auf Blarney Castle und fahren lieber Gas kaufen. Kaum in Cork angekommen, zählt Hobos Kilometerzähler zum sechsten Mal die 000. Wow. Corkgas jedenfalls befüllen leider nicht selbst und sind gerade frisch leer an deutschen Flaschen. Aber, sagen sie, fahrt doch nach Whitegate südwestlich von Cork zur Raffinerie, da ist die Befüllanlage und die beliefern rundrum alles. Naja, dann verzichten wir also auch auf den Rest von Cork, denn wann hat man schon mal die Gelegenheit, in einer Raffinerie einkaufen zu gehen. Wir finden die Raffinerie, aber verpassen leider alle guten Gelegenheiten für Fotos. Und wir sind wohl auch nicht die ersten, die hier direkt mal ne Gasflasche abholen, denn der Pförtner weiß genau, was wir brauchen und tauscht uns kurzerhand die Flasche und dann hier in das Büro und da die Quittung und fertig. Geradezu unspektakulär. Aber irgendwie mal was anderes.
Und da der Tag noch nicht vorbei ist, fahren wir nach Cobh (sprich „Koov“), das wurde uns empfohlen. Es liegt südlich von Cork und auf einem Inselsystem, das den natürlichen Hafen von Cork bildet. Es ist auch wieder eine Heritage Town: von hier sind die ersten irischen Auswanderer in die USA abgereist, hier war der letzte Hafen, den die Titanic angelaufen ist und von hier wurde zigtausende irische Gefangene nach Australien verschifft. Aber das ist nicht der Grund, warum Cobh von uns volle Punktzahl erhält. Hier gibt es einen riesigen kostenlosen Parkplatz direkt am Wasser, mit Promenade, Spielplatz und der Möglichkeit, bis zu 48 Stunden ein Motorhome abzustellen, inkl. Frischwasser und Kloentsorgungsstelle, Mülltonnen und allem. Für lau. Und direkt daneben der kleine Bahnhof mit halbstündlicher Direktverbindung nach Cork. Lang lebe Cobh. Ach ja, und auf dem Spielplatz haben wir richtig viele Locals kennengelernt, die sich alle sehr nett mit uns unterhalten haben. Man Irland, auf die letzten Meter lässt du's noch mal krachen, was?
Unsere Abreise von Irland haben wir mit der Fähre von Rosslare nach Wales geplant. Zwischen Cobh und Rosslare liegen knapp 200km irische Südküste. Aber da wir ja auch noch was von Wales haben wollen, und da ich noch auf einem Schlenker über Cornwall bestehe, und da wir ja schon lange übers Budget sind, und da wir ja auch irgendwann mal wieder nach Hause müssen …
Also man ahnt es schon, wir beschließen, mit diesen wunderbaren letzten Erfahrungen Irland abzuschließen. Wir genießen den Vormittag in Cobh noch mal in vollen Zügen, füllen unsere Vorräte auf, lunchen im Lidl-Parkplatz und fahren dann die zweihundert Kilometer durch, ohne Brownsings zu beachten, ohne Strände aufzusuchen, ohne Touristeninformationen zu besuchen, um Tipps zu bekommen, aber mit einiger Schwermut. Dafür kriegen wir noch ein Ticket für die Fähre am gleichen Abend zurück nach Großbritannien. Und müssen nicht mal den Hund entwurmen.
Bis zur Abfahrt haben wir noch Zeit, für einen letzten irischen Strandspaziergang und Currykochen in den Dünen von Rosslare. Der Kleine sagt „Bye, Meer“, und ich bin richtig wehmütig, dass wir jetzt doch schon abfahren von der grünen Insel. Wer hätte das gedacht, im letzten Blogpost ...
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